Der aufgeschraubte Bügelgriff ist die letzte sichtbare Unterbrechung einer Front, und er fängt Ärmel und Handtücher. Grifflose Fronten öffnen stattdessen per Druck auf die Klappe. Im möbelguru-Sortiment ist das bislang eine Randgruppe: 88 der 6.249 Badmöbel führen Push-to-open, während 1.507 klassische Drehtüren nennen und nur 49 Schiebetüren.
Grifflos ist zuerst eine Reinigungsentscheidung. Ein Bügelgriff über einer Schublade sammelt Staub an der Unterseite und hakt den Ärmel ein. Optisch bricht er die Front in zwei Hälften. Eine Druckmechanik nimmt diese Kante weg, verlangt dafür aber eine intakte Dämpfung, sonst schlägt die Tür nach zwei Jahren an.
Dem Zukunftsinstitut zufolge heißt die gestalterische Haltung dahinter Neo-Biedermeier: "Es sollte einfach sein, funktional, mit klaren Linien, die perfekte Gestaltung für das Private, bevorzugt unter der Verwendung von lokalen Materialien." Klare Linien im Bad heißen konkret: keine Griffe.
Die Zahl dazu ist ernüchternd und gehört trotzdem dazu. Push-to-open taucht bei 88 Modellen auf, das sind 1,4 Prozent des Sortiments. Wer die Mechanik sucht, findet sie im kleinen Format beim Beldivo-Set mit Keramikbecken von Bernstein für 509,90 €, 50 Zentimeter breit und 25 tief, also für ein Gäste-WC gebaut. Matt lackiert, wandhängend, auf Metallgestell.