Knarzen entsteht, wo zwei Bauteile unter Last aneinander haften und dann ruckartig abgleiten. Bei einem Schreibtischstuhl sind das fast immer Schraubverbindungen, die sich seit dem Aufbau minimal gelockert haben, dazu die Lager der Mechanik. Das Geräusch ist ein Verschleißsignal und meldet sich lange, bevor etwas bricht.
Ein Schreibtischstuhl ist ein Selbstbaumöbel. Sitzträger, Rückenlehnenträger, Armlehnen und Fußkreuz verschraubt der Käufer selbst, meist mit einem beigelegten Inbusschlüssel und ohne jede Drehmomentangabe. Genau diese Verbindungen arbeiten sich unter wechselnder Last wieder locker.
Physikalisch dahinter steckt der Stick-Slip-Effekt. Zwei Flächen haften aneinander, verspannen sich, trennen sich und gleiten ruckartig ab. Die Wikipedia beschreibt diese Bewegungsfolge wörtlich als „Haften, Verspannen, Trennen und Abgleiten" und führt knarrende Türen und quietschende Bremsen als Beispiele auf. Voraussetzung ist, dass die Haftreibung merklich größer ist als die Gleitreibung.
Am Stuhl passiert das an den Paarungen aus Metall und Kunststoff. Die Mechanik sitzt in einem Gehäuse, das Feder und Lager aufnimmt. Bei Modellen mit Neigungsfunktion bewegt sich dieses Paket bei jedem Zurücklehnen mit. Nach einigen tausend Bewegungen genügt ein Zehntelmillimeter Spiel, damit aus einer stillen Bewegung ein hörbares Ruckgleiten wird. Deshalb tritt das Geräusch fast nie sofort auf, sondern nach Wochen.