
Testsiegel und Rabatt-Etiketten im Bürostuhl-Sale 2026: der Realitätscheck
Der Bundesgerichtshof hat am 30. Juli 2026 entschieden, dass entgeltlich vergebene Testsiegel strengen Anforderungen an Richtigkeit, Eindeutigkeit und Klarheit genügen müssen (Az. I ZR 130/25). Das Urteil trifft eine Werbeform, die auch im Bürostuhl-Sale allgegenwärtig ist. Ein Blick in 2.533 kaufbare Bürostühle zeigt, wie weit Etikett und Preisrealität auseinanderliegen.

Laura Fischer
Einrichtungsberaterin & Ergonomie-Expertin
Auf einen Blick
- Der Bundesgerichtshof verlangt seit dem Urteil vom 30. Juli 2026 (Az. I ZR 130/25), dass entgeltlich vergebene Testsiegel die Grundlage ihres Urteils erkennen lassen.
- Von 2.533 kaufbaren Bürostühlen tragen 1.280 ein Rabatt-Etikett, aber 1.773 kosten heute so viel wie vor zwölf Monaten oder mehr.
- Bei 565 der 770 Varianten mit einem Etikett ab 40 Prozent ist der Preis binnen eines Jahres überhaupt nicht gefallen.
- 326 Bürostühle ohne jedes Rabattzeichen sind real billiger geworden, 77 davon um mindestens 20 Prozent.
- § 5 Absatz 2 UWG misst Testergebnisse und Preisvorteile am selben Maßstab: Irreführend ist, was eine Kaufentscheidung auslöst, die sonst nicht gefallen wäre.
Warum es wichtig ist
Ein Bürostuhl ist eine Anschaffung, die über Jahre am Rücken hängt, und der Markt ist mit Auszeichnungen und Prozentzeichen dicht gepflastert. Wenn der BGH den Maßstab für bezahlte Siegel anzieht und ein Oberlandesgericht Händler für fremde Testinhalte haften lässt, verschiebt sich die Beweislast in Richtung derer, die werben. Für Käufer ändert das kurzfristig wenig am Angebot, aber viel an der Frage, worauf sie sich beim Vergleich stützen sollten.




