Bouclé ist nicht tot, das behaupten nur Listen, die vom Vorjahr abgeschrieben sind. Der noppige Wollstoff hat seinen Zenit überschritten und wird gerade zum Normalfall statt zum Statement. Was nachrückt, ist Samt beziehungsweise Velours, mit tieferem Farbeindruck und einer Oberfläche, die Licht anders bricht.
Der Salone del Mobile.Milano 2026 hält für den Polsterbereich fest, dass Formen sich zwar behaupten, Hyperdekoration aber ausbleibt. Es sind die kalibrierten Details, die den Unterschied machen, sichtbare Nähte zum Beispiel, die die Konstruktion offenlegen. Laut Wallpaper* läuft dieselbe Bewegung von der anderen Seite: Lack dringt in die Polstermöbel ein, harte Oberflächen setzen sich gegen weiche ab, und die Neuauflage des Pigreco von Tobia Scarpa bei Tacchini zeigt genau diesen Bruch.
An einem Stuhl, der täglich benutzt wird, ist Samt pflegeleichter als sein Ruf, solange der Bezug aus Polyester und nicht aus Naturseide besteht. Krümel fallen ab, Flecken lassen sich abtupfen. Druckstellen bleiben dafür länger sichtbar als bei Strukturstoff, und bei Gegenlicht sieht man jede Sitzspur.
Im Sortiment liegt Stoff bei 5.531 Modellen, Polyester bei 3.795, Kunstleder bei 2.684. Der vierteilige Satz drehbarer Polsterstühle mit Samtbezug und Metallbeinen für 349,99 € von WOLTU trifft die Kombination aus weichem Bezug und sichtbarem Metallgestell, um die es in Mailand ging. Wer die rauere Oberfläche will, sieht sich die Stühle mit Strukturstoff an, wer den Samt will, die Stühle mit Samtbezug.