Reihenfolge und Kraft entscheiden. Beides macht man beim schnellen Nachziehen fast immer falsch.
Klapp den Sitz nach oben und sieh dir die beiden Scharnierfüße an. Bei fast allen Modellen sitzt dort eine Abdeckkappe, die sich mit dem Fingernagel oder einem schmalen Schlitzschraubendreher aufklappen lässt. Darunter liegt der Schraubenkopf. Manche Hersteller verstecken ihn unter einer Klappe, die nach vorn aufgeht, andere unter einem Deckel, der zur Seite schwenkt. Heble hier nichts mit Gewalt auf, Duroplast splittert an dünnen Kanten.
Jetzt der Teil, den die meisten überspringen: Greif mit der anderen Hand unter die Keramik und halte die Mutter fest. Ohne Gegenhalten dreht sich die Mutter einfach mit, und du drehst zehn Minuten an einer Schraube, die sich nie festzieht. Genau dieses Mitdrehen ist das Symptom, an dem die meisten Reparaturen scheitern.
Zieh die Schraube zuerst nur von Hand an, bis spürbarer Widerstand kommt. Danach höchstens eine Vierteldrehung mit dem Schraubendreher. Mehr braucht es nicht, und mehr ist gefährlich: Die Kraft wirkt punktuell auf die Keramik rund um das Bohrloch, und Sanitärkeramik gibt nicht nach, sondern reißt. Ein Haarriss am Lochrand ist irreparabel und kostet das ganze Becken.
Sind beide Seiten fest, richte den Sitz mittig aus, bevor du endgültig anziehst. Modelle mit verstellbaren Scharnieren machen das leicht, weil sich die Scharnierplatte in einem Langloch verschieben lässt. 33 der 287 verfügbaren Modelle nennen verstellbare Scharniere ausdrücklich, darunter der ADOB WC-Sitz App für 41,24 € von ADOB, der sich zusätzlich zum Reinigen abnehmen lässt.
Zum Schluss die Puffer. Sie sind der Grund, warum ein Sitz auch mit festen Schrauben noch kippelt. Dreh den Sitz um und prüfe, ob alle vier Puffer gleich hoch sind und fest sitzen. Kalkreste unter einem Puffer reichen aus, um den Sitz um einen Millimeter schief zu stellen, was sich beim Hinsetzen wie ein loser Sitz anfühlt. Keramik abwischen, trocknen, Puffer neu ansetzen. Bei Metallscharnieren lohnt ein Blick auf Korrosion an der Unterseite: Rostende Bolzen lassen sich beim nächsten Mal nicht mehr lösen, hier sind WC-Sitze mit Edelstahlteilen langfristig die ruhigere Wahl.