Die wichtigste Annahme des Herstellers steht selten in der Anleitung, aber in der Prüfvorschrift. Nach VdS 5012 sind anerkannte Schränke unter 1.000 kg „für die fachgerechte Befestigung des Schrankes vor Ort vorgerüstet", und bei der Standardmontage „wird von der Montage auf einer massiven, betonierten Standfläche ausgegangen; hierfür stellt der Hersteller des Wertbehältnis die Befestigungsanker zur Verfügung". Derselbe Text verlangt ausdrücklich, dass „insbesondere Wand- bzw. Bodenkonstruktionen und -materialien zu beachten" sind und die Standardmontage bei Bedarf an die Bedingungen vor Ort angepasst wird.
Übersetzt heißt das: Die beiden Anker in der Tüte sind für Beton gerechnet. Ob deine Schlafzimmerwand dazu passt, hat niemand geprüft.
Das ist die Stelle, an der die Produktdaten komplett aussteigen. Von 145 Tresoren dieser Kategorie verliert kein einziger ein Wort über den Untergrund. Nicht Beton, nicht Mauerwerk, nicht Trockenbau, nicht Porenbeton. 38 Angebote erwähnen immerhin eine Befestigung, 25 legen Dübel oder Schwerlastanker bei, aber die Frage, worin diese Anker greifen sollen, stellt niemand. Der Dübelhersteller fischer hält dagegen fest, dass Beton die beste Stabilität bietet und dass Lochstein und Porenbeton „bei Belastungen von mehr als 30 kg spezielle Dübel" erfordern.
Geh die vier Fälle einmal durch, bevor du bohrst.
Massiver Beton und Vollziegel sind der Auslegungsfall. Hier tragen die beigelegten Schwerlastanker, sofern Bohrdurchmesser und Setztiefe stimmen.
Lochziegel und Porenbeton sehen massiv aus und sind es nicht. Der Bohrer bricht in die Kammern durch, der Spreizdübel findet nur dünne Stege. Hier arbeiten Injektionsanker mit Siebhülse, und die Traglast sinkt gegenüber Beton spürbar.
Eine Gipskarton-Vorsatzschale oder Ständerwand trägt eine Tresorverankerung nicht. Eine 12,5 Millimeter dicke Platte hält Bilder und Regalböden, keinen Schrank, an dem mit einem Brecheisen gezogen wird. Wer hier verankern will, muss durch die Beplankung hindurch in die tragende Wand dahinter, und dafür muss diese Wand erst einmal vorhanden und erreichbar sein.
Der vierte Fall ist der Schrankboden. Ein Möbeltresor, der nur in die Spanplatte eines Kleiderschranks geschraubt ist, hängt exakt so fest wie diese Spanplatte. Das ist bequem montiert und in wenigen Sekunden herausgerissen.
Ein Gegenbeispiel gibt es im Sortiment: Ein nach EN 1143-1 zertifizierter Wertschutzschrank für 535,64 € liefert zwei Schwerlastanker mit und schreibt dazu, die fachgerechte Verankerung sei Voraussetzung für die volle Anerkennung der Sicherheitsklasse durch Versicherungen. Einer von 145.