Die Pflegefrage ist am Ende eine Materialfrage, und im Sortiment lässt sie sich nachzählen. Unter den 44 Memoboards führen 7 Glas, 7 Holzwerkstoff, 8 Aluminium, 8 Kunststoff und 6 Filz als Material. Die Beschichtung der Schreibfläche steht dagegen so gut wie nie da: Kein einziges Produkt nennt Emaille oder Keramikstahl, genau eines nennt eine lackierte Stahlfläche.
Das ist eine echte Informationslücke, und sie hat Folgen für die Pflege. Die Schreibtafel-Systematik bei Wikipedia unterscheidet die glatte Oberfläche aus weißem Kunststoff von weiß emailliertem Metallblech. Das sind zwei völlig verschiedene Pflegeklassen, und der Produkttext lässt Sie meist nicht erkennen, welche Sie gekauft haben.
Es gibt einen Test, der ohne Datenblatt funktioniert. Schreiben Sie einen Strich, warten Sie zwei Minuten, wischen Sie trocken. Bleibt nichts, ist die Fläche dicht, in dieser Kategorie praktisch immer Glas. Bleibt ein blasser Rest, arbeiten Sie mit einer porigen Beschichtung und sollten Beschriftungen nicht über Nacht stehen lassen.
Warum Glas so tolerant ist, liegt an der Struktur. Eine Glasfläche hat keine offenen Poren, in denen sich Harz verankern könnte, und sie ist hart genug, dass ein Wischer sie nicht aufraut. Deshalb verträgt Glas Alkohol beliebig oft, und deshalb bleibt dort selbst nach Jahren kaum Grauschleier zurück. Der Preis dafür ist Gewicht und die Empfindlichkeit der Kante.
Lackierte und kunststoffbeschichtete Flächen verhalten sich umgekehrt. Ihre Mikrorauheit ist im Neuzustand gering, wächst aber mit jedem Reinigungsdurchgang, bei dem Druck im Spiel war. Ghosting läuft dort als Kurve statt als Einzelereignis. Je öfter geschrubbt wurde, desto schneller entsteht der nächste Schatten. Genau deshalb steht die Eskalationsleiter aus dem vorigen Abschnitt in dieser Reihenfolge.
Emaille wäre die haltbarste Variante, weil die Glasschicht bei hoher Temperatur in den Stahl eingebrannt wird und danach ähnlich porenfrei ist wie Glas, nur kratzfester. In dieser Kategorie ist sie nicht vertreten, jedenfalls nicht dokumentiert. Bei 26 der 44 Boards fehlt sogar jede Angabe zur Oberfläche, was den Zwei-Minuten-Test zur einzigen verlässlichen Auskunft macht.
Wer neu kauft und die Pflege gering halten will, findet unter Glasboards die tolerantesten Flächen, während Boards mit Stahlkern die stärkere Magnethaftung bieten. Die Magnetkraft hängt am Stahl hinter der Fläche, nicht an der Fläche selbst, und Glas braucht dafür eine Stahlrückwand.