Für den Umgang mit Papier gibt es belastbare Referenzwerte aus der Bestandserhaltung. Das Fachportal der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts, angesiedelt bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, nennt für Ausstellungen den Wert für Papier: ca. 50 Lux. Für das Magazin, also die dunkle Lagerung, heißt es dort, 100 Lux reichen im Magazin aus, gemessen am Boden.
50 Lux sind wenig. Deutlich weniger, als die meisten Menschen schätzen. Ein Wohnzimmer, in dem man bequem liest, liegt oft im Bereich einiger hundert Lux, und an einem Fensterplatz mit Südausrichtung werden an einem klaren Tag Werte erreicht, die um Größenordnungen darüber liegen. Museen arbeiten mit dieser Schwelle, weil sie Objekte über Jahrhunderte halten wollen. Dein Wohnzimmer muss diesen Wert nicht treffen. Die Zahl taugt trotzdem als Maßstab dafür, wie empfindlich bedrucktes Papier tatsächlich ist.
Daraus wird eine einfache Rangfolge für Wände. Am härtesten ist jede Fläche, auf die zeitweise direkte Sonne fällt, auch wenn es nur zwei Stunden am Nachmittag sind. Denn die Dosis in diesen zwei Stunden übersteigt oft die der restlichen zweiundzwanzig. Danach kommen helle Wände gegenüber einem großen Fenster, die zwar kein direktes Sonnenlicht abbekommen, aber den ganzen Tag über diffuses Himmelslicht. Am schonendsten sind Wände, die seitlich zum Fenster stehen, sowie Flure und Nordzimmer.
Die Produkttexte helfen bei dieser Einordnung kaum. Nur 26 der 733 Kunstdrucke, also 3,5 Prozent, erwähnen direkte Sonne überhaupt als Thema. Und ein Teil davon nennt sie nicht als Warnung, sondern im Gegenteil als Werbeversprechen, etwa in der Form, die Tinte sei UV-beständig und bleiche nicht durch direktes Sonnenlicht aus. Die Hinweisleistung der Kategorie zu diesem Punkt ist damit praktisch null.
Ein Kniff, der wenig kostet: Behandle Drucke wie Wechselwäsche. Zwei Motive im gleichen Format, halbjährlich getauscht, halbieren die Dosis für jedes einzelne, und das über die gesamte Lebensdauer. Das funktioniert am besten in den gängigen Normformaten, etwa bei Kunstdrucken im Format 50 mal 70 Zentimeter, weil der Rahmen dann stehen bleiben kann und nur das Blatt wandert. Wer ohnehin günstig einsteigt, findet unter den Kunstdrucken bis 50 Euro genug Auswahl, um ein zweites Motiv für denselben Rahmen zu holen. Wer gleich mehrere Bilder plant, sollte die Lichtfrage vor der Anordnung klären, denn beim Aufhängen eines Bilder-Sets steht die Wandfläche am Ende fest und die hellste Position bekommt zwangsläufig eines der Motive.