Der Test zuerst, weil er die Arbeit danach spart. In der Konservierung heißt das Verfahren Oddy-Test. Das Oddy-Torium der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart beschreibt den Aufbau präzise: Blei-, Silber- und Kupfercoupons werden den Emissionen aus zwei Gramm Material bei 60 °C und 100 Prozent Luftfeuchte über vier Wochen in einem geschlossenen Reagenzglas von 50 ml ausgesetzt. Besteht ein Material diesen Test, gast es mit großer Sicherheit nichts Korrosives aus.
Zu Hause geht eine abgespeckte Variante. Ein frisch poliertes Silberstück, das man ohnehin nicht trägt, kommt für vier Wochen ins geschlossene Kästchen, ein zweites gleich poliertes Stück daneben in eine offene Glasschale im selben Raum. Ohne Wärme und ohne 100 Prozent Feuchte dauert es länger als im Labor, aber der Vergleich trägt: Läuft das Stück im Kästchen sichtbar stärker an als das offene, ist die Ursache im Kästchen und nicht in der Raumluft.
Fällt der Test negativ aus, hilft die Reihenfolge der Maßnahmen. Zuerst das Futter. Ein Stück Baumwoll- oder Polyestervlies über den Filz gelegt, kostet fast nichts und nimmt den direkten Kontakt weg. Besser ist, den Filzeinsatz ganz herauszunehmen, wenn er nur eingelegt und nicht verklebt ist.
Zweitens die Barriere. Schmuck in kleinen Polyethylen-Zipbeuteln aufbewahren, Luft herausdrücken, Beutel ins Kästchen. Das Kästchen bleibt dann Möbelstück und Ordnungshilfe, die Schutzfunktion übernimmt der Beutel. Polyethylen ist dafür geeignet, Weich-PVC nicht, weil dessen Weichmacher wandern und klebrige Filme hinterlassen.
Drittens Anlaufschutzstreifen aus imprägniertem Papier, die Schwefelverbindungen binden. Sie wirken nur im geschlossenen Volumen und sind nach sechs bis zwölf Monaten erschöpft. Ein Datum mit Bleistift auf den Streifen erspart das Rätselraten.
Und viertens die Versuchung, die man auslassen sollte. Angelaufene Stücke immer wieder zu polieren, trägt bei jedem Durchgang Material ab. Bei einer dünnen Versilberung ist die Auflage irgendwann durch, und darunter kommt das Trägermetall zum Vorschein. Die Oberfläche bleibt nur erhalten, wenn das Anlaufen gar nicht erst in Gang kommt. Wer ohnehin neu kauft, findet die volle Bandbreite unter Kästchen und Dosen, und für die Frage, ob eine Dose überhaupt dicht schließt, lohnt der Blick in unseren Ratgeber zu Dichtungen und Lichtschutz bei Vorratsdosen.