Ohne Schlag, mit niedriger Drehzahl. Ein Fliesen- oder Glasbohrer bei 400 bis 800 U/min, Klebeband über die Bohrstelle gegen das Abrutschen, moderater Druck und ein Tropfen Wasser zum Kühlen bringen dich sauber durch die Glasur, bevor du im Stein dahinter weiterbohrst.
Die Fliese ist der sprödeste Punkt der ganzen Montage. Ein einziger Schlagimpuls jagt einen Riss quer durch die Keramik, und der lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Deshalb gilt vor allem eine Regel: Schlagfunktion aus. Die impulsartigen Stöße übertragen sich direkt in die spröde Struktur und erzeugen Mikrorisse.
Stattdessen bohrst du reine Rotation mit einer Maschine, die sich in der Drehzahl regeln lässt, im Bereich von 400 bis 800 U/min. Klebe zwei Lagen Malerkrepp über die angezeichnete Stelle. Das Band hält die Bohrerspitze auf Position, statt sie über die glatte Glasur wegrutschen zu lassen, und fängt Absplitterungen am Lochrand ab. Setz den Bohrer gerade auf und arbeite mit gleichmäßigem, moderatem Druck, ungefähr so viel, wie du zum Andrücken eines Kugelschreibers brauchst. Ein Tropfen Wasser auf der Bohrstelle kühlt Bohrer und Fliese, denn die Reibung erzeugt Hitze, die den Bohrer stumpf macht und die Glasur springen lässt.
Ist die Glasur durchbohrt und du spürst den weicheren Stein dahinter, wechselst du gedanklich den Modus: Jetzt zählt der Untergrund aus dem ersten Schritt, nicht mehr die Fliese. Bohre gerade weiter, ohne zu verkanten, bis das Loch tief genug für den Dübel sitzt. Sitzt der Bohrpunkt zufällig auf einer Fuge, hast du es leichter, weil der weiche Fugenmörtel weniger reißanfällig ist als die Fliese selbst. Ein sauber gebohrter, matter Korpus wie beim Midischrank Yonkers von Germania zeigt keinerlei Spannungsrisse an der Wandseite, wenn die Bohrlöcher stimmen. Wer die Wand farblich abstimmen will, sortiert die weißen Badmöbel vor und plant die Bohrpunkte in die Fugenlinien.