

Das Amtsgericht Oldenburg hat am 3. August 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung über die DOMO Collection GmbH aus Hude angeordnet. Der Polstermöbel-Anbieter beschäftigt 24 Menschen in Deutschland, die Produktion läuft über die polnische Tochter Oflor mit rund 245 Beschäftigten. Der Geschäftsbetrieb wird vorerst fortgeführt.

Thomas Klein
Möbelexperte & Materialwissenschaftler
Ein insolventer Hersteller ist etwas anderes als ein insolventer Händler, und genau diese Unterscheidung entscheidet darüber, wer für dein Sofa geradesteht. DOMO Collection verkauft nicht selbst an Endkunden, sondern beliefert den Möbelhandel. Wer eine DOMO-Couch im Wohnzimmer stehen hat, hat sie also bei einem Möbelhaus oder einem Online-Shop gekauft, nicht in Hude. Das verschiebt die Frage, welche Ansprüche jetzt wackeln und welche unberührt bleiben.
Die DOMO Collection GmbH aus Hude hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Oldenburg bestellte am 3. August 2026 Rechtsanwalt Dr. Christian Kaufmann von PLUTA zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Für die polnische Produktionstochter Oflor folgte der gleiche Beschluss am 6. August 2026. Der Geschäftsbetrieb beider Gesellschaften läuft weiter.
Die DOMO collection GmbH mit Sitz in Hude bei Oldenburg wurde 2011 gegründet und entwickelt und vertreibt Polstermöbel, vor allem Sofas und Sessel. Am 3. August 2026 ordnete das Amtsgericht Oldenburg die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Gesellschaft an und bestellte Rechtsanwalt Dr. Christian Kaufmann von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Öffentlich gemacht hat die Kanzlei den Schritt am 10. August 2026.
In Hude arbeiten 24 Menschen. Ihre Löhne sind laut der Mitteilung von PLUTA über das Insolvenzgeld bis Ende September gesichert. Gefertigt wird die Ware nicht in Niedersachsen, sondern in Polen: Die Produktion läuft über die Tochtergesellschaft Oflor Sp. z o.o. mit Sitz in Psarskie, für die ebenfalls ein Insolvenzantrag gestellt wurde. Das Amtsgericht Oldenburg bestellte Kaufmann dort am 6. August 2026 zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Rund 245 Beschäftigte arbeiten an dem polnischen Standort.
Die Entscheidung, die für Kunden am meisten zählt, ist bereits gefallen. Der Geschäftsbetrieb soll fortgeführt werden, in Hude wie in Psarskie. "Unser oberstes Ziel ist es jetzt, den Geschäftsbetrieb stabil fortzuführen und die Aufträge zuverlässig zu erfüllen", wird Kaufmann in der Mitteilung zitiert. Im nächsten Schritt sollen Sanierungsoptionen geprüft und gezielt Investoren angesprochen werden.
Als Grund nennt das Unternehmen Liquiditätsschwierigkeiten. Die Umsätze blieben hinter den Erwartungen zurück, weil die Konsumzurückhaltung in Deutschland anhält. Dazu kommt ein Effekt, den die Branche jedes Jahr kennt. Im Sommer wird ohnehin weniger verkauft. Anders als in den Vorjahren trug die Saisonlinie diesmal nicht, es fehlte also genau der Umsatz, der die schwachen Monate sonst überbrückt. Geschäftsführer Ulf Vietor erklärt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert, der Schritt sei unvermeidbar gewesen.
Die deutsche Möbelindustrie setzte im ersten Quartal 2026 rund 3,8 Milliarden Euro um, 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Inlandsmarkt brach mit 4,7 Prozent deutlich stärker ein als das Auslandsgeschäft. Wer wie DOMO Collection überwiegend deutsche Wohnzimmer beliefert, spürt diesen Rückgang zuerst.
Der Fall steht nicht für sich. Nach Zahlen des Verbands der Deutschen Möbelindustrie lag der Umsatz der Branche im ersten Quartal 2026 bei rund 3,8 Milliarden Euro und damit 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auffällig ist vor allem die Spreizung. Das Auslandsgeschäft wuchs leicht um 0,3 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro, während der Inlandsumsatz um 4,7 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro fiel.
VDM-Hauptgeschäftsführer Jan Kurth führt die Zurückhaltung der Käufer auf die gestiegene Inflation infolge höherer Energiepreise zurück. Gleichzeitig steigen die Kosten auf der Herstellerseite, etwa für Spanplatten, Metallbeschläge, Schaumstoff und Logistik. Knapp 30 Prozent der befragten Möbelhersteller planten für das zweite Quartal 2026 Kurzarbeit.
Solche Phasen treffen Polstermöbel härter als viele andere Warengruppen. Ein Sofa ist eine Anschaffung, die sich verschieben lässt. Wer unsicher ist, behält die alte Couch ein weiteres Jahr und kauft stattdessen einen Sessel dazu oder gar nichts. Für Anbieter im mittleren Preissegment bedeutet das eine lange Vorfinanzierung bei schwankendem Abruf. Ware muss bestellt, gefertigt und eingelagert sein, bevor klar ist, ob der Handel sie abruft. Das Sortiment der Marke findet sich weiterhin im Handel, quer durch die Sofas und Couches.
Für Mängel haftet der Verkäufer, bei dem du das Sofa gekauft hast. Diese gesetzliche Gewährleistung läuft zwei Jahre und wird von der Insolvenz des Herstellers nicht berührt. Wackelig wird nur die freiwillige Herstellergarantie, denn sie richtet sich direkt gegen die insolvente DOMO Collection GmbH.
Hier liegt das häufigste Missverständnis. DOMO Collection ist Hersteller und Vertrieb, aber nicht dein Vertragspartner. Gekauft hast du bei einem Möbelhaus oder einem Online-Shop, und genau dieser Verkäufer schuldet dir die gesetzliche Gewährleistung. Reißt die Naht, bricht ein Federkern oder löst sich die Verstellmechanik, geht die Reklamation an den Händler. Dessen Pflicht besteht unabhängig davon, was in Hude passiert. Sie läuft zwei Jahre ab Übergabe.
Anders sieht es bei einer Herstellergarantie aus. Sie ist freiwillig, kommt zusätzlich zur Gewährleistung und richtet sich gegen den Hersteller selbst. Die Verbraucherzentrale beschreibt für den umgekehrten Fall, dass Ansprüche aus freiwilligen Herstellergarantien von der Insolvenz eines Händlers unberührt bleiben. Kippt die Konstellation, kippt auch die Aussage. Ist der Garantiegeber selbst insolvent, wird aus dem Garantieanspruch eine Forderung im Insolvenzverfahren. Sie müsste zur Tabelle angemeldet werden, und die Aussicht auf Erfüllung ist gering.
Für die meisten Käufer ist das die Entwarnung. Die Zwei-Jahres-Frist gegen den Händler ist der Anspruch, der im Alltag zählt, und er ist der stabilere von beiden. Wer allerdings gerade auf eine zugesagte Zehn-Jahres-Garantie auf das Gestell baut, sollte diese Zusage nicht als sicher einplanen. Wie schnell aus einer Insolvenz wieder ein normaler Geschäftsbetrieb werden kann, zeigt der Blick auf Filialschließungen im Möbelhandel und die Rechte bei Anzahlungen.
Bestellt hast du beim Händler, also schuldet der Händler die Lieferung. Kommt das Sofa nicht, kannst du eine angemessene Frist setzen und danach vom Vertrag zurücktreten. Die Anzahlung fordert du dann vom Verkäufer zurück, nicht vom Insolvenzverwalter der DOMO Collection GmbH.
Auch bei offenen Bestellungen bleibt der Händler in der Pflicht. Er hat sich verpflichtet, dir ein bestimmtes Modell zu liefern. Ob sein Lieferant zahlungsfähig ist, ist sein Beschaffungsrisiko, nicht deines. Verzögert sich die Lieferung, setzt du eine angemessene Frist. Verstreicht sie, kannst du vom Vertrag zurücktreten und die Anzahlung zurückverlangen, und zwar beim Verkäufer.
Der praktische Teil ist im Moment freundlicher, als es die Schlagzeile vermuten lässt. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat die Fortführung angeordnet, die Produktion in Polen läuft, und erklärtes Ziel ist es, Aufträge zuverlässig zu erfüllen. Im Fokus der kommenden Wochen steht laut PLUTA die weitere Zusammenarbeit mit den Vertriebspartnern. Wer einen bestätigten Liefertermin hat, fragt dort besser erst einmal nach, statt vorschnell zu stornieren.
Ein Punkt gilt unabhängig von diesem Fall. Die Verbraucherzentrale rät, sich bei einem Unternehmen in der Insolvenz nicht auf Vorkasse einzulassen, sondern erst dann zu zahlen, wenn die Ware im selben Moment übergeben wird. Diese Regel zielt auf den insolventen Verkäufer, sie ist aber auch dann ein brauchbarer Maßstab, wenn ein kleiner Händler seinerseits in Schwierigkeiten gerät. Wie ein Verfahren geordnet ablaufen kann, ohne dass Kunden leer ausgehen, hat zuletzt das Himolla-Schutzschirmverfahren gezeigt.
Nachbestellungen sind das eigentliche Risiko. Solange die Produktion in Psarskie weiterläuft, bleiben Module, Bezüge und Ersatzteile lieferbar. Endet das Verfahren ohne Investor, wird ein passendes Anbauelement schwierig, denn Bezugsstoffe laufen in Partien und Verstellbeschläge sind bei Polstermöbeln selten genormt. Wer erweitern will, klärt das besser jetzt.

Wer ein modulares Sofa besitzt, sollte diesen Abschnitt ernster nehmen als den Rest. Gewährleistung und Garantie regeln Mängel. Sie regeln nicht, ob es in zwei Jahren noch ein passendes Anbauelement gibt.
Bei Polstermöbeln hängt das an Details, die man erst im Ernstfall bemerkt. Bezugsstoffe laufen in Partien, und schon zwischen zwei Chargen desselben Stoffs kann der Farbton leicht abweichen. Ein einzeln nachgekaufter Hocker sieht dann neben der drei Jahre alten Garnitur anders aus. Dazu kommen Bauteile wie Verstellbeschläge, Kopfstützen oder Federelemente, die selten genormt sind.
Solange die polnische Produktion weiterläuft, ändert sich daran wenig. Findet sich kein Investor, verschwindet mit dem Hersteller auch die Bezugsquelle. Wer also ohnehin plant, seine Garnitur um ein Element zu erweitern, klärt das jetzt mit dem Händler und lässt sich die Verfügbarkeit schriftlich bestätigen. Wer neu kauft und Wert auf spätere Erweiterbarkeit legt, sieht sich die Bauart genauer an. Bei Sofas mit Federkern-Polsterung lassen sich die technischen Unterschiede gut nachvollziehen.
Die Gewährleistung ist gesetzlich vorgeschrieben, läuft zwei Jahre ab Übergabe und wird vom Verkäufer geschuldet, also vom Möbelhaus oder Online-Shop. Die Garantie ist eine freiwillige Zusage, meist des Herstellers, und gilt zusätzlich zu den gesetzlichen Rechten. Wird der Hersteller insolvent, bleibt die Gewährleistung gegen den Händler bestehen, während der Garantieanspruch zu einer Forderung im Insolvenzverfahren wird.
Für die allermeisten DOMO-Kunden ändert sich durch die Insolvenz im Alltag nichts. Der Geschäftsbetrieb läuft, die Produktion in Polen läuft, und dein Ansprechpartner bei Problemen war ohnehin nie Hude, sondern der Händler. Konkret lohnen sich vier Schritte.
Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM)
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