Drei Dinge verlieren: die gelb gebeizte Kiefer der Neunziger, die hochglänzend lackierte Landhausfront und das durchdekorierte Arrangement. Die Heimtextil führt mit "Crafted irregularity" die Gegenrichtung, und der Salone del Mobile zeigte 2026 laut Giulia Zappa Formen, die "eschewing hyper-decorativism" auskommen.
Als Erstes geht der Farbton. Die gelbstichig gebeizte Kiefer, die den Stil in Deutschland zwei Jahrzehnte geprägt hat, steht quer zur aktuellen Institutslage. Die Heimtextil-Palette 26/27 nennt Sand, Ton, Ruß, Olive und Baumrinde, also gedeckte und eher kühl gebrochene Naturtöne. Ein orangestichiger Honigton passt in keine dieser Familien.
Dann die makellose Oberfläche. Solange Hochglanz und perfekte Gleichmäßigkeit als Qualitätsbeweis galten, war sichtbare Handarbeit ein Mangel. Mit "Crafted irregularity" dreht die Heimtextil diese Bewertung um, und eine geölte Platte mit sichtbarer Maserung gewinnt damit gegenüber der lackierten Front.
Am deutlichsten trifft es das Fräsdekor. Giulia Zappa beschreibt die Entwürfe der 64. Salone-Ausgabe so, dass Formen ihre Präsenz zeigen und dabei "eschewing hyper-decorativism" bleiben. Gedrechselte Säulenbeine, gefräste Herzchen und aufgesetzte Zierleisten wirken vor diesem Hintergrund wie Zitate aus einer anderen Zeit. Der schlichte Querschnitt bleibt übrig, und er trägt den Stil auch allein.
Eine Randnotiz zum Einordnen: Die imm cologne fand vom 20. bis 23. Januar 2026 statt. Bernd Sanden, Director der imm cologne, sagt dazu: "Die imm cologne ist und bleibt der Auftakt in das Möbeljahr." Als Businessmesse zeigt sie, was der Handel ordert, nicht was Designer manifestieren.