Im Premiumsegment ist die Richtung seit ein paar Saisons eindeutig. Der italienische Hersteller Molteni&C baut seine Walk-in-Kollektionen konsequent aus, allen voran das modulare Ankleidesystem Master Dressing des belgischen Designers Vincent Van Duysen. Die Logik dahinter: Kleidung wird nicht mehr weggeschlossen, sondern wie in einer Boutique präsentiert, mit offenen Fächern und beleuchteten Glasvitrinen. Der Schrank wird vom Möbel zum Raum.
Diese Idee sickert gerade in den Massenmarkt durch, und zwar deutlich günstiger. Zwischen dem geschlossenen Monolithen und der Luxus-Ankleide ist eine breite Mittelzone entstanden: modulare Schranksysteme mit offenen und geschlossenen Zonen, dazu Ecklösungen, die eine Schlafzimmerecke zur Mini-Ankleide machen, und einfache offene Kleiderregale für unter 100 €. Ein Beispiel für die Mittelzone ist das begehbare Ecksystem Pittsburgh von LOMADOX, das mit Schwarz, Beige und Eiche-Dekor gleich den Materialmix der Saison mitbringt.
Für die Praxis heißt das: Die Frage ist nicht mehr, ob ein begehbarer Schrank ins Budget passt, sondern ob er in den Grundriss passt. Ab etwa zwei Quadratmetern freier Ecke funktioniert ein offenes System, das deutlich weniger kostet als ein gleich großer Drehtürenschrank in Vollausstattung. Der Preis für die Offenheit ist Disziplin. Offene Fächer verzeihen keine Wäscheberge, und Staub legt sich auf die Schultern von Jacken, die monatelang hängen. Wer beides kennt und trotzdem will, bekommt 2026 die größte Auswahl, die es in diesem Segment je gab.