Out ist die industriell geglättete Version. Wenn die Heimtextil sichtbare Unregelmäßigkeit zum eigenen Trendraum erklärt, verliert das komplett durchgestylte Boho-Set von der Stange seine Grundlage. Ebenso das Kunststoffgeflecht in Rattanoptik, das im Innenraum nach genau dem aussieht, was es ist.
Der schärfste Trennstrich läuft zwischen echter und imitierter Faser. Polyrattan gehört auf die Terrasse, wo es Regen aushalten muss. Im Wohnraum fehlt ihm die eine Eigenschaft, wegen der Boho überhaupt funktioniert, nämlich die unregelmäßige Oberfläche. Kunststoffgeflecht ist in jeder Masche identisch, und das sieht man aus zwei Metern Entfernung.
Ebenfalls auf dem Rückzug sind die Motiv-Klischees der späten 2010er. Federn, Traumfänger und Flamingos waren Zitate eines Reise-Boho, das mit Handwerk wenig zu tun hatte. Was an ihre Stelle rückt, ist ruhiger und materialgetrieben, etwa Bilder mit Naturmotiv statt gedruckter Symbolik.
Laut Ausstellungsprogramm zeigt das Vitra Design Museum vom 14. März bis 6. September 2026 die Retrospektive „Hella Jongerius. Whispering Things". Jongerius arbeitet seit Jahrzehnten an der Frage, wie Industrieproduktion und Handarbeit zusammengehen, an Textilien und Keramik ebenso wie an Möbeln. Dorthin bewegt sich der Stil gerade, weg von der gedruckten Symbolik.