Glas ist glatt, klar und ständig nass. Jeder Tropfen hartes Wasser hinterlässt beim Verdunsten gelösten Kalk, der als weißer Film antrocknet. Weil die Scheibe großflächig und durchsichtig ist, fällt schon ein hauchdünner Belag sofort ins Auge, anders als auf einer gemusterten Fliese daneben.
Kalk ist kein Schmutz von außen. Er kommt aus dem Wasser selbst. Leitungswasser enthält gelöste Calcium- und Magnesium-Ionen, und je mehr davon drinstecken, desto härter ist das Wasser. Verdunstet ein Wasserfilm auf der Scheibe, bleiben diese Mineralien als Calciumcarbonat zurück. Genau der weiße Schleier, den du siehst.
Wie stark das ausfällt, entscheidet die Wasserhärte. In Deutschland wird sie laut Wikipedia in drei Bereiche eingeteilt: weich bis 8,4 °dH, mittel von 8,4 bis 14 °dH und hart ab 14 °dH. Der DVGW beziffert den bundesweiten Durchschnitt auf rund 16 °dH, also etwa 2,85 Millimol Calciumcarbonat pro Liter. Damit liegt ein Großteil der Haushalte im harten Bereich, in dem Kalk innerhalb weniger Tage sichtbar wird.
Dazu kommt die Seife. Duschgel und Shampoo reagieren mit dem Kalk zu sogenannter Kalkseife, einem zäheren, gräulichen Belag, der schlechter abläuft als reiner Kalk. Auf Glas-Duschwänden mischen sich beide, und das ist der Grund, warum ein simpler Glasreiniger irgendwann nicht mehr reicht. Er löst den Fettanteil, aber nicht die mineralische Kruste darunter.