Ein Keder ist die schmale, meist abgesetzte Paspel, die an der Kante zwischen zwei Polsterflächen läuft. Sie ist zuerst Handwerk, weil sie die Naht schützt, und dann Gestaltung, weil sie die Form des Sofas nachzeichnet. Zehn Jahre lang wurde genau das wegkonstruiert, zugunsten randloser Flächen ohne sichtbare Verarbeitung.
Bei Flexform hieß die Antwort 2026 „Gregory XL“ von Antonio Citterio: Leder an den sichtbaren Stellen der Gurte, auf denen die Sitzkissen liegen, und Kissen, die mit Ripsband-Profilen eingefasst sind. Die Verarbeitung bleibt sichtbar und wird zum Teil der Optik.
Die textile Begründung kommt erneut von der Heimtextil. Valentina Ciuffi von Alcova sagt über die Auswahl, man interessiere sich für Objekte und Prozesse, die unerwartet, experimentell und ein wenig unbotmäßig sind. Konkret nennt die Messe eine Rüsche an einem ansonsten minimalistischen Vorhang oder eine unerwartet platzierte Quaste als bewusste Unterbrechung, die zeigt, dass Gestaltung mehr ist als Zweckmäßigkeit. Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies bei der Messe Frankfurt, verantwortet das Format; die nächste Ausgabe läuft vom 12. bis 15. Januar 2027.
Am Sofa ist dieser Wechsel der billigste von allen fünf, weil er nichts an Größe, Farbe oder Funktion ändert. Er kostet nur Aufmerksamkeit beim Aussuchen. Ein Modell mit Keder, Knopfheftung oder Steppung wirkt gezeichnet, wo ein glattes Modell nur eine Fläche ist, und es verzeiht Gebrauchsspuren besser, weil das Auge der Kante folgt und nicht der Delle.
Der Novara 2,5-Sitzer in Dunkelgrün mit Keder für 529,99 € von Jockenhöfer macht beides sichtbar, den Keder an der Kante und die Holzblende am Fuß, im Velours-Bezug. Vergleichbares findet sich unter 2- und 3-Sitzern in Samt und bei den Sofas im Retro-Stil, wo Keder und Knopfheftung nie ganz verschwunden sind.