Der Stil steht nicht still, er verschiebt sich. Drei benannte Quellen markieren die Richtung für 2026.
Erstens die Farbe. Pantone wählte für 2026 Cloud Dancer zur Farbe des Jahres, einen "billowy white imbued with serenity", wie Leatrice Eiseman vom Pantone Color Institute es beschreibt. Laut Pantone steht das Weiß für einen bewussten Neuanfang, für das Wegnehmen von Überflüssigem. Wichtig ist das Detail: Es ist das erste Weiß überhaupt in dieser Reihe, kein satter Ton. Genau das passt zu Japandi, denn der Stil lebt vom hellen, ruhigen Pol, gegen den die warmen Naturtöne erst wirken. Cloud-Dancer-Weiß an der Wand, dazu ein Sofa in Leinen und Greige: Das ist die Japandi-Lesart dieses Farbjahres.
Zweitens das Material. Auf dem Salone del Mobile 2026, der 64. Ausgabe vom 21. bis 26. April in Mailand, stand das Handwerk am Holz im Vordergrund. Der japanische Hersteller Karimoku schichtete in seiner Installation "A Thoughtful Stay" Holz mit Papier, Stein und Textil. Das ist Japandi in Reinform: nicht ein Material, das glänzt, sondern mehrere Materialien, die zusammen Tiefe geben. (Die Messe widmete sich 2026 übrigens Küche und Bad, nicht der Beleuchtung, das Lichtthema Euroluce kehrt erst 2027 zurück.)
Drittens der größere Rahmen. Laut dem Zukunftsinstitut beschreibt Neo-Biedermeier eine Rückkehr zu Geborgenheit, Privatheit, klaren Linien und bevorzugt lokalen Materialien. Parallel läuft der Megatrend Neo-Ökologie, die Verschiebung zu ressourcenschonendem, regionalem Wirtschaften. Japandi sitzt genau im Schnittpunkt dieser beiden. Das erklärt, warum der Stil hält und nicht nach einer Saison kippt: Er bedient ein Bedürfnis, kein Schlagwort. Cocooning, oft im selben Atemzug genannt, führt das Institut dagegen nur als temporäre Strömung, nicht als Megatrend.
Konkret am Sofa: Der kühle Espresso-Ton früherer Jahre weicht warmem, dunklem Nussbaum und geölter Eiche. Und der lange dominante Bouclé hat seinen Höhepunkt überschritten. Er verschwindet nicht, aber Samt und Wolle übernehmen die Hauptrolle bei den Bezügen.