Möbeloberflächen werden nicht danach beurteilt, ob sie sauber werden, sondern danach, was sie aushalten. Das Süddeutsche Kunststoff-Zentrum beschreibt die Prüfung nach DIN 68861. Teil 1 der Norm behandelt das Verhalten bei chemischer Beanspruchung durch Säuren, Laugen, organische Lösemittel und Reinigungsmittel, Teil 2 das Verhalten bei Abrieb. Die Ergebnisse landen in Beanspruchungsgruppen von 1A bis 1D, wobei 1A die höchste Beständigkeit bezeichnet, bei der Abriebprüfung entsprechend von 2A bis 2E. Bewertet wird nach DIN EN 12720 auf einer Skala von 5, also keine Veränderung, bis 1.
Eine günstige Badfront liegt selten in 1A. Was ein Reiniger im Labor in 16 Stunden Einwirkzeit anrichtet, richtet er im Bad über Monate hinweg an, nur in kleinen Portionen verteilt.
Für Hochglanz und glatten Lack heißt das: warmes Wasser, ein Tropfen mildes Spülmittel, ein weiches Baumwolltuch. Eingetrocknetes zuerst zwei Minuten mit dem aufgelegten feuchten Tuch aufweichen, dann ohne Druck abnehmen. Kein Scheuermittel, keine Schleifpartikel, kein Melaminschwamm. Danach mit einem zweiten, trockenen Tuch in einer Richtung nachziehen. Nicht kreisend. Kreisende Bewegungen sind der Grund, warum Wischspuren später als Kreise auf der Fläche stehen.
Kunststoffbeschichtete Platten und Tiefziehfronten bekommen dieselbe Seifenlösung, aber deutlich weniger Wasser. Diese Oberflächen vertragen die Reinigung ohne Weiteres, ihre Kanten vertragen die Nässe nicht. Dazu gleich mehr.
Bei matt lackierten Fronten ist die Versuchung eine andere. Gegen Fingerabdrücke greift man gern zur Politur, und genau das ruiniert die Optik, weil Politur den Mattgrad ungleichmäßig anhebt und glänzende Flecken hinterlässt. Seifenlösung, sonst nichts.
Die 6 furnierten Modelle tragen echtes Holz unter dem Lack. Behandle sie wie lackierte Fronten, aber lass an den Furnierstößen kein Wasser stehen.
Geölte, gewachste und unbehandelte Fronten drehen die ganze Logik um. Kein Spülmittel, denn Tenside lösen genau den Ölfilm, der das Holz wasserabweisend hält. Nimm ein nur nebelfeuchtes Tuch, wisch in Faserrichtung, trockne sofort nach. Zweimal im Jahr trägst du dünn Pflegeöl auf, lässt es zwanzig Minuten ziehen und nimmst den Überstand mit einem Baumwolltuch ab. Ohne diesen Rhythmus saugt das Holz beim nächsten Spritzer Wasser, und dann entstehen graue Ränder, die sich nur noch abschleifen lassen.
In keinem dieser Fälle haben Essigreiniger, Zitronensäure, Backofenspray, Aceton, Nagellackentferner oder hochprozentiger Alkohol etwas auf der Front zu suchen.