Reinigen kommt zuerst. Warmes Wasser mit einem Tropfen Spülmittel und ein weicher Schwamm, mehr braucht es nicht. Stahlwolle und Scheuerpulver bleiben in der Schublade, die Spülmaschine sowieso. Fettige Rückstände von einem früheren Olivenöl-Versuch lösen sich mit warmem Spülwasser, das dauert nur länger, als man denkt. Ist die Oberfläche bereits klebrig und dunkel verharzt, hilft kein Waschen mehr, dann muss sie mechanisch weg.
Danach 24 Stunden trocknen, stehend, mit Luft an allen Seiten. Öl auf feuchtem Holz schließt die Feuchtigkeit ein, und das Ergebnis sind dunkle Wolken unter der Oberfläche, die sich später nur noch abschleifen lassen. Eine Schale, die an der Wange noch kühl liegt, ist nicht trocken.
Jetzt wird angeschliffen. Körnung 240, in Faserrichtung, mit sehr leichtem Druck. Bei einer rauen Rohschale fängst du bei 180 an und gehst dann auf 240. Ziel ist keine Möbelglätte, sondern eine gleichmäßig offene Pore. Den Schleifstaub nimmst du mit einem leicht feuchten Tuch ab und lässt die Schale noch einmal zwei Stunden stehen.
Der erste Auftrag braucht ein fusselfreies Baumwolltuch und, für eine Schale mit 25 cm Durchmesser, etwa einen Teelöffel Öl. Nicht mehr. In kreisenden Bewegungen einmassieren, bis Innen- und Außenfläche gleichmäßig feucht glänzen. Boden und Standfläche werden dabei gerne vergessen, und genau dort sammelt sich später das Kondenswasser.
Nach 20 bis 30 Minuten nimmst du mit einem zweiten, trockenen Tuch alles ab, was nicht eingezogen ist. Dieser Schritt entscheidet über das Ergebnis. Was jetzt oben liegen bleibt, härtet als Haut auf dem Holz aus statt als Schutzschicht darin. Die Schale darf sich danach trocken anfühlen, nicht ölig.
Dann kommt das Aushärten. Reines Leinöl braucht ein bis drei Tage, fertige Holzpflegeöle meist zwölf bis 24 Stunden. Stell die Schale dabei auf die Kante oder auf zwei Hölzchen, sonst klebt sie auf ihrer eigenen Standfläche fest. Warme, trockene Raumluft beschleunigt die Sache, ein kühler Keller zieht sie erheblich in die Länge.
Für den zweiten Auftrag fährst du mit Schleifvlies oder Körnung 320 sehr leicht über die ausgehärtete Fläche, entstaubst und wiederholst den Auftrag mit noch weniger Öl. Stark saugende Hölzer wie Mango vertragen einen dritten Durchgang. Danach hat die Oberfläche einen matten Seidenglanz, und Wasser perlt kurz, bevor es einzieht.
Bleibt das Warten. Vor dem ersten Kontakt mit Lebensmitteln gibst du dem Öl eine Woche. Nach einem Tag fühlt es sich zwar trocken an, durchvernetzt ist es aber noch nicht, und ein aufgeschnittener Apfel nimmt in dieser Phase Geschmack an. Eine Teakschale im 2er-Set mit 16 cm Durchmesser übernimmt in dieser Woche gut den Dienst als Schlüsselablage.