

Der Luxusküchen-Hersteller Eggersmann aus Hiddenhausen holt sich die Finkemeier Holding, den Eigentümer des Küchengiganten Häcker, als neuen Gesellschafter. Über eine Kapitalerhöhung übernimmt die Holding zum 17. Juli 2026 einen Anteil von 49 Prozent. Eggersmann bleibt eigenständig geführt und behält seinen High-End-Kurs bei.

Markus Hoffmann
Möbelschreiner & Wohnberater
Während 2026 gleich mehrere deutsche Traditionshersteller in Schieflage geraten, läuft dieser Vorgang in die andere Richtung. Kein Notverkauf, keine Insolvenz, sondern eine finanzstarke Familienholding, die sich an einem gesunden Premium-Hersteller beteiligt. Für den deutschen Küchenmarkt ist das ein seltenes Stabilitätssignal, und es sagt einiges darüber aus, wo die Branche gerade zusammenrückt.
Die Finkemeier Holding übernimmt per Kapitalerhöhung 49 Prozent an der eggersmann küchen GmbH & Co. KG in Hiddenhausen. Die operative Führung bleibt vollständig bei Eggersmann. Michael Wunram bleibt Geschäftsführer, sein Sohn Leon Wunram rückt als zweiter Geschäftsführer nach. Der Abschluss datiert auf den 17. Juli 2026.
Die Finkemeier Holding steigt mit 49 Prozent bei Eggersmann ein. Der Anteil entsteht über eine Kapitalerhöhung, das Geld fließt also ins Unternehmen und nicht an ausscheidende Gesellschafter. Damit bleibt es eine Minderheitsbeteiligung. Die unternehmerische Kontrolle über den Luxusküchen-Hersteller verbleibt bei der Familie Wunram.
An der Spitze ändert sich die Struktur nur an einer Stelle. Michael Wunram führt Eggersmann weiter als Geschäftsführer, sein Sohn Leon Wunram tritt als zweiter Geschäftsführer hinzu. Die Doppelspitze steht für Kontinuität und für den geplanten Generationenübergang. Laut MÖBELMARKT wurde der Vorgang zum 17. Juli 2026 abgeschlossen.
Wofür das frische Kapital gedacht ist, benennt Eggersmann klar: Digitalisierung, interne Prozesse und die Lieferkette. Michael Wunram beschreibt den Schritt so, dass die Beteiligung eine verlässliche Basis schaffe, um Eggersmann weiterzuentwickeln und die Marke in ihrer High-End-Positionierung noch klarer zu schärfen. Von Umbau oder Sparprogramm ist keine Rede. Es geht um Wachstum aus einer stabilen Position heraus.
Eggersmann ist eine über 100 Jahre alte Steinmanufaktur aus Hiddenhausen mit rund 100 Beschäftigten und Küchen ab etwa 40.000 Euro. Häcker Küchen aus dem benachbarten Rödinghausen ist der zweitgrößte deutsche Küchenhersteller: über 2.000 Mitarbeiter, fünf Werke und rund 786 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2022.

Eggersmann steht seit mehr als 100 Jahren für Küchen im obersten Preissegment. Der Hersteller aus Hiddenhausen versteht sich als Steinmanufaktur und verarbeitet Granit, Quarzit, Schiefer, Marmor und Kalkstein zu Fronten und Arbeitsflächen. Rund 100 Menschen arbeiten dort, viele davon noch klassisch im Schreinerhandwerk neben moderner Maschinentechnik. Eine Eggersmann-Küche beginnt bei etwa 40.000 Euro, nach oben ist die Skala offen.
Die Finkemeier Holding ist die Familienholding hinter Häcker Küchen aus Rödinghausen. Häcker ist gemessen am Umsatz der zweitgrößte deutsche Küchenhersteller hinter Nobilia. Über 2.000 Beschäftigte fertigen in fünf Werken täglich mehr als 1.000 Küchen, die Exportquote liegt bei rund 40 Prozent. Für 2022 weist Häcker einen Umsatz von etwa 786 Millionen Euro aus. Die Küchen bewegen sich im mittleren bis gehobenen Preisbereich.
Beide Unternehmen sitzen im Kreis Herford, keine 20 Kilometer voneinander entfernt. Der finanzstarke Volumenhersteller und die kleine Luxusmanufaktur ergänzen sich, statt sich Kunden streitig zu machen. Genau diese Nähe, räumlich wie im Selbstverständnis als Familienbetrieb, macht die Beteiligung plausibel.
Der Zeitpunkt fällt mitten in eine schwierige Marktphase. Die deutsche Möbelindustrie lag im ersten Quartal 2026 rund drei Prozent unter Vorjahr, mehrere Traditionshersteller meldeten Insolvenz an. Wer jetzt Kapital für Digitalisierung und Lieferkette sichert, verschafft sich Spielraum, bevor der Druck zunimmt.
Das Marktumfeld ist rau. Der Verband der Deutschen Möbelindustrie meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr; bei Polstermöbeln lag das Minus laut moebelfertigung.com sogar bei 8,9 Prozent. Schwache Konsumstimmung, eingebrochener Wohnungsbau und harter Preiswettbewerb drücken auf die gesamte Branche.
Wie ernst die Lage ist, zeigt die Insolvenzwelle bei deutschen Traditionsherstellern. Der Polstermöbel-Riese Himolla ging im Sommer 2026 unter den Schutzschirm, zuvor hatten bereits Interlübke, Hülsta und König + Neurath Verfahren durchlaufen. Vor diesem Hintergrund liest sich der Eggersmann-Deal anders. Hier sucht kein Unternehmen in der Not einen Retter. Hier sichert sich ein gesunder Spezialist frisches Kapital, solange er aus einer Position der Stärke verhandeln kann.
Für eine kleine Manufaktur mit rund 100 Beschäftigten sind Investitionen in Digitalisierung und eine robuste Lieferkette teuer. Ein Partner, der selbst über 1.000 Küchen am Tag baut, bringt genau hier Einkaufsmacht und Prozess-Know-how mit. Darin liegt der eigentliche Hebel hinter der 49-Prozent-Beteiligung.
Für Kunden bleibt zunächst alles beim Alten. Die Marke Eggersmann, die Ansprechpartner und die Fertigung in Hiddenhausen bestehen fort, laufende Aufträge werden wie geplant abgewickelt. Anders als bei einer Insolvenz steht keine Rückabwicklung und kein Lieferstopp im Raum, sondern zusätzliche Investitionskraft.

Kurzfristig merken Käufer von der Beteiligung wenig. Eggersmann bleibt als eigenständige Marke bestehen, produziert weiter in Hiddenhausen und behält seine Ansprechpartner. Wer eine Eggersmann-Küche bestellt hat oder gerade plant, muss nichts unternehmen. Bestehende Aufträge laufen unverändert weiter.
Der wichtige Unterschied liegt in der Richtung des Vorgangs. Bei einer Insolvenz stellen sich Kunden Fragen nach Anzahlungen, Garantie und Fertigstellung. Eine Minderheitsbeteiligung mit Kapitalerhöhung dreht das um: Es kommt Geld ins Unternehmen, nicht Unsicherheit. Die Investitionen in Digitalisierung und Lieferkette sollen mittelfristig Liefertreue und Planung verbessern, gerade bei den langen Vorlaufzeiten hochwertiger Einbauküchen.
Wer ohnehin vor einer größeren Küchenanschaffung steht, für den bleibt die Herstellerstabilität ein Auswahlkriterium neben Preis, Material und Ausstattung. Ein Blick auf die Eigentümerstruktur und die wirtschaftliche Lage lohnt sich vor jedem großen Kauf, egal in welcher Preisklasse.
Bei einer Kapitalerhöhung gibt ein Unternehmen neue Anteile aus, die ein Investor zeichnet. Das eingezahlte Geld fließt in die Firma, nicht an die bisherigen Eigentümer. Bleibt der Investor unter 50 Prozent, spricht man von einer Minderheitsbeteiligung: Er stellt Kapital, übernimmt aber nicht die Kontrolle. Die Alteigentümer behalten das Sagen im Tagesgeschäft.
Für dich als Käufer ist die Beteiligung vor allem ein Signal, kein Anlass zum Handeln. Sie zeigt, dass das ostwestfälische Küchencluster trotz Branchenkrise investiert und zusammenrückt. Wenn du eine neue Küche planst, kannst du die Herstellerstabilität bewusst als Kriterium einbauen, statt nur auf den Preis zu schauen.
küche + architektur
Shop-Links auf dieser Seite sind Werbe-Links. Beim Kauf erhalten wir eine Provision. Der Preis bleibt für Sie dabei unverändert. Mehr zur Finanzierung.

Westfalen-Blatt
Wikipedia
moebelfertigung.com / VDM
Markus Hoffmann
Möbelschreiner & Wohnberater