Material und Korpus (15%)
Die wichtigste Frage bei jeder Duscharmatur lautet: massives Messing oder Druckguss aus Zinklegierung. Das sehen Sie nicht von außen, weil beide Varianten verchromt sind. Spüren Sie das Gewicht. Eine 23-Euro-Armatur aus Messing wiegt etwa zwei Kilo, ein gleich großes Druckguss-Modell unter einem Kilo. Messing ist über Jahrzehnte resistent gegen Spannungsrisskorrosion, Druckguss aus Zink wird durch warmes Wasser und gelöstes Chlorid mürbe und reißt nach drei bis fünf Jahren an den Anschlussgewinden. Wenn Sie eine Armatur fest verschrauben und an den Eckventilen ziehen müssen, zeigt sich der Unterschied. Achten Sie zusätzlich auf eine Keramikkartusche statt Gummidichtungen. 35-Millimeter-Kartuschen halten den Wasserdruck stabiler als die in Billigmodellen verbaute 28-Millimeter-Variante und sind bei einem Defekt als Standardteil für unter zehn Euro im Baumarkt zu bekommen.
Verarbeitung und Oberfläche (15%)
Verchromte Oberflächen unterscheiden sich in der Dicke des Chromauftrags. Hochwertige Armaturen tragen 20 bis 30 Mikrometer auf, günstige Modelle nur fünf bis zehn. Sie merken das nach dem ersten Jahr. Dünne Schichten zeigen unter dem Wasserstrahl kleine Pickel, weil das darunterliegende Material durchscheint. Mattschwarze und gebürstete Oberflächen sind empfindlicher gegen Kalkablagerungen und sollten nach jedem Duschen mit einem Microfasertuch trocken gewischt werden. Saubere Übergänge zwischen Korpus und Hebel ohne sichtbare Spaltmaße sind ein zuverlässiges Indiz für präzise Fertigung. Stoßen Sie mit dem Finger gegen den Schlauch der Handbrause: Ein Metallflechtmantel klingt dumpf, ein PVC-Schlauch klingt hohl und weich. Letzterer wird über die Jahre durch heißes Wasser brüchig.
Wasserdruckstabilität und Kartuschentechnik (20%)
Die Branchenreferenz für Sanitärarmaturen ist die DIN EN 200, die Mindestanforderungen an Dichtigkeit, Druckfestigkeit und hydraulische Leistung definiert. Geprüft wird bei einem Fließdruck von 3 bar. Armaturen werden in Durchflussklassen Z (geringer Durchfluss), A (Standard) und B/C (hoher Durchfluss) eingeteilt. Für Wohnungen mit zentraler Warmwasserversorgung und üblicherweise schwankendem Druck ist Klasse A die richtige Wahl. Wenn Sie eine Etagenheizung mit Durchlauferhitzer haben, erkennen Sie schlechte Armaturen daran, dass die Temperatur springt, sobald jemand anderes Wasser zapft. Eine Thermostat-Kartusche mit Wachselement gleicht solche Sprünge in Millisekunden aus und hält die Temperatur auf ±2 Grad Celsius stabil. Mechanische Einhebelmischer können das nicht.
Temperaturstabilität und Verbrühschutz (20%)
Thermostatarmaturen mit 38-Grad-Sicherheitssperre sind seit 2019 in vielen Pflegeeinrichtungen Pflicht und in privaten Haushalten mit Kindern dringend zu empfehlen. Die Sperre lässt sich nur durch aktives Drücken eines Knopfes überschreiten, wodurch ein Kind beim Spielen am Hebel keine Verbrühung auslösen kann. Bei einer Mischbatterie ohne Thermostat dauert das Nachregeln drei bis fünf Sekunden, bei einem Thermostat unter einer Sekunde. Im Alltag mit zwei Bewohnern, die parallel Wasser nutzen, ist das der größte spürbare Komfort-Unterschied. Hochwertige Wachs-Thermostate halten ihre Genauigkeit über 50.000 Schaltvorgänge, was bei zwei Personen rund zehn Jahren entspricht.
Wassersparfunktion und Durchfluss (15%)
Die Verbraucherzentrale empfiehlt Duscharmaturen mit einem Durchfluss unter neun Liter pro Minute. Ein Vier-Personen-Haushalt spart damit bis zu 300 Euro Energiekosten im Jahr, weil der Großteil der Kosten beim Duschen auf die Warmwasserbereitung entfällt. Hersteller wie Grohe nennen ihre Sparfunktion EcoJoy, Hansgrohe nutzt EcoSmart. Beide Systeme arbeiten mit einem Wassermengenregler, der den Durchfluss bei steigendem Druck konstant hält und Luft beimischt, sodass der Strahl voll wirkt. Modelle ohne Begrenzer liefern bei drei bar bis zu 18 Liter pro Minute, was den Energieverbrauch verdoppelt. Wenn Ihre vorhandene Armatur keinen Sparregler hat, lässt sich ein Wassermengenregler für drei bis vier Euro im Schlauch nachrüsten.
Hygiene-Zertifizierung und Materialsicherheit (10%)
Alle Bauteile, die im direkten Kontakt mit Trinkwasser stehen, müssen die KTW-BWGL des Umweltbundesamtes erfüllen. Die Leitlinie regelt, dass keine Stoffe in das Wasser übergehen, die Geschmack, Geruch oder Gesundheit beeinträchtigen. Dazu gehört vor allem der Verzicht auf Bleizusätze in Messinglegierungen, wie sie in Importware gelegentlich vorkommen. Eine DVGW-Zertifizierung kostet Hersteller jährliche Prüfgebühren und ist deshalb bei No-Name-Anbietern aus Übersee oft nicht vorhanden. Achten Sie auf das DVGW- oder KTW-Siegel auf der Verpackung. Bei einer Armatur unter 30 Euro ist diese Zertifizierung das wichtigste Qualitätsmerkmal überhaupt.
Bedienung und Komfort (5%)
Lange, dünne Hebel sind elegant, aber bei Seife an den Händen rutschig. Ergonomisch sind kürzere Hebel mit deutlicher Riffelung an der Unterseite. Thermostat-Armaturen haben zwei getrennte Drehknöpfe für Temperatur und Menge, was bei kalten Händen am Morgen schneller geht als das Suchen der richtigen Position bei einem Einhebelmischer. Eine abnehmbare Handbrause mit mindestens 1,5 Meter Schlauch erleichtert die Reinigung der Wanne erheblich. Wenn Sie regelmäßig den Boden der Dusche schrubben, ist ein Schlauch von zwei Metern angenehmer.