Wasserbeständigkeit: das Kriterium, das kein Aufpreis löst
Mit 20 Prozent Gewicht ist die Wasserbeständigkeit das wichtigste Kriterium dieses Vergleichs, und sie ist zugleich das einzige, das mit dem Preis nicht besser wird. Die Durchschnittswerte liegen bei 5,4 Punkten bis 200 Euro, 5,8 bis 500 Euro, 5,3 bis 1.000 Euro und 5,3 bis 1.500 Euro. In 48 der 70 Datenblätter steht eine Quellungs- oder Feuchtigkeitsschwäche als offene Baustelle. Der Grund liegt in der Bauart: Badmöbel bestehen fast immer aus beschichtetem Holzwerkstoff, und geschützt ist nur die Fläche, nicht die Bohrung und nicht die Schnittkante. Entscheidend ist deshalb weniger das Plattenmaterial als die Frage, ob Kanten umleimt sind und ob unter dem Becken eine Silikonfuge zur Wand vorgesehen ist.
Korpusmaterial: MDF, Spanplatte oder Massivholz
MDF nimmt Wasser langsamer auf als Spanplatte, weil die Faserstruktur dichter ist und die Kante sich sauberer versiegeln lässt. In den Daten kehrt sich die Erwartung um: Unter 200 Euro taucht Spanplatte in keinem Datenblatt auf, zwischen 500 und 1.000 Euro in neun von 20 und über 1.000 Euro in fünf von zehn. Wer Massivholz will, findet es in diesem Feld nur vereinzelt, etwa beim Teak-Unterschrank von Tikamoon für 379 Euro. Massivholz verzeiht Feuchtigkeit besser, verlangt dafür aber eine regelmäßige Ölung, wie sie auch für andere Holzmöbel im Bad gilt.
Beckenmaterial: Keramik, Mineralguss oder Glas
Keramik ist der Standard und dominiert vor allem die unteren beiden Preisklassen mit 15 von 20 und 17 von 20 Nennungen. Sie ist kratzfest, farbstabil und günstig, springt aber bei einem harten Schlag. Mineralguss und Mineralmarmor sind Verbundwerkstoffe aus Steinmehl und Harz. Sie fühlen sich weniger kalt an, verkraften einen Stoß besser und lassen sich bei feinen Kratzern nachschleifen, reagieren dafür empfindlicher auf Scheuermittel. Ab 500 Euro drehen sich die Mehrheiten: 13 der 20 Modelle bis 1.000 Euro führen ein Becken aus Mineralguss oder Mineralmarmor, und genau daher stammt der Qualitätssprung beim Beckenmaterial von 7,4 auf 8,3 Punkte. Die Funktionsanforderungen und Prüfverfahren für Waschbecken selbst regelt DIN EN 14688:2018-12, unter anderem für statische Belastbarkeit und Reinigbarkeit.
Stauraum: die Tiefe entscheidet, nicht die Breite
Lagerkapazität wiegt ebenfalls 20 Prozent, und sie scheitert im Alltag fast immer an der Tiefe. Ein 120 Zentimeter breites Set mit 22 Zentimeter tiefem Korpus nimmt keine Shampooflasche im Stehen auf, ein 61 Zentimeter breites mit 47 Zentimeter Tiefe dagegen schon. Die Spanne in diesem Feld reicht vom schmalen Gäste-WC-Format wie dem VCM Slito mit 22 Zentimetern bis zu Korpustiefen um 47 Zentimeter. Schubladen mit Vollauszug nutzen diese Tiefe aus, Drehtüren mit festem Einlegeboden verschenken den hinteren Bereich. Die Durchschnittswerte für Lagerkapazität bewegen sich über alle Klassen nur zwischen 6,2 und 6,8 Punkten, was zeigt, wie selten Breite und nutzbare Tiefe zusammenpassen.
Montageart: hängend oder stehend
Wandhängende Sets halten den Boden frei, erleichtern das Wischen und lassen die Höhe frei wählen. Sie brauchen dafür eine tragfähige Wand. In einer Trockenbauwand ohne Traverse ist ein 130 Zentimeter breites Mineralmarmor-Set die falsche Wahl, weil das Gewicht des Beckens auf zwei Bolzen liegt. Welcher Dübel in welcher Wand trägt, ist in unserem Ratgeber zur Montage von Waschbecken mit Unterschrank aufgeschlüsselt. Stehende Sets sind unkritischer in der Befestigung, holen sich die Feuchtigkeit dafür über den Sockel vom Boden.
Lieferumfang: Armatur, Siphon und Befestigungsmaterial
Der Lieferumfang läuft dem Preis entgegen. Im Einstiegsband nennen drei Datenblätter eine mitgelieferte Armatur als Pluspunkt und vier das Fehlen als Minuspunkt, ab 1.000 Euro ist eine beiliegende Armatur praktisch nicht mehr vorgesehen. Rechnen Sie 40 bis 150 Euro für eine passende Waschtischarmatur ein, dazu Siphon und Eckventile, falls der Altbestand nicht passt. Wer das Set ohnehin um Spiegel und Schrank ergänzt, sollte vorab entscheiden, ob es ein abgestimmtes Set oder eine freie Kombination werden soll, weil Farbnuancen zwischen Serien selten exakt zusammenpassen.