Schmal-, Standard- und Eckunterschränke
Unterschränke kommen in Breiten von 30, 40, 45, 50, 60, 80, 90 und 100 Zentimetern. Schmal-Unterschränke (30, 40, 45 cm) sind Lückenfüller, sinnvoll für Apothekerschränke, schmale Auszüge oder als Nischenlösung. Standard-Unterschränke (60 cm) sind das Rückgrat jeder Küchenzeile, weil sie die DIN-Tiefe exakt aufnehmen und Geräte wie Geschirrspüler oder Backofen genauso passen. 80- und 90-Zentimeter-Unterschränke werden meistens für Auszugskorpusse mit drei oder vier Schubladen genutzt.
Eckunterschränke sind die Sonderform für L- und U-Küchen. Hier finden Sie Karusselllösungen mit Drehboden, Le-Mans-Auszüge mit ausschwenkenden Tablaren oder einfache Eckkarusselle. Ohne diese Spezialmechanik bleibt das Eck-Volumen ungenutzt.
Türen, Klappen und Auszüge
Die klassische Tür ist die günstigste und wartungsärmste Lösung: sie schwenkt seitlich auf und gibt den Korpus-Innenraum frei. Bei tiefen Schränken (60 cm) müssen Sie sich bücken, um an die hinteren Bereiche zu kommen, was bei Töpfen oder Vorräten täglich nervig wird.
Klappen sind die obere Variante mit Hebemechanik, kommen meist in Hängeschränken vor, bei Unterschränken eher selten. Auszüge mit Vollauszug ziehen den ganzen Innenraum aus dem Korpus heraus und sind die Komfort-Königsklasse: Sie sehen alles auf einen Blick, kommen ohne Bücken an alle Inhalte und können schwere Töpfe ohne Verrenkung herausnehmen.
Im 100-Euro-Bereich finden Sie meist Türlösungen, ab 200 Euro kommen die ersten Voll-Auszüge dazu, ab 300 Euro werden komplette Schubladen-Schränke mit drei oder vier Auszügen Standard.
Korpushöhen für unterschiedliche Körpergrößen
Die Schüller-Ergonomie-Empfehlung lautet eindeutig: optimale Arbeitshöhe etwa 10 bis 15 Zentimeter unter dem angewinkelten Ellenbogen. Damit ergeben sich klare Empfehlungen je nach Körpergröße.
Personen unter 1,65 Meter Körpergröße sollten auf 71,5-Zentimeter-Korpus mit 5-Zentimeter-Sockel und Standard-Arbeitsplatte (3,8 cm) gehen, was etwa 80 Zentimeter Arbeitshöhe ergibt. Durchschnittsgröße 1,75 Meter passt zu 78-Zentimeter-Korpus mit 10-Zentimeter-Sockel, was 92 Zentimeter Arbeitshöhe ergibt. Personen über 1,85 Meter sind mit 84,5-Zentimeter-Korpus auf 12-Zentimeter-Sockel ergonomisch ideal, was 100 Zentimeter Arbeitshöhe ergibt.
Im Idealfall planen Sie nach Schüller drei unterschiedliche Arbeitshöhen pro Küche: Vorbereitung auf Standardhöhe, Kochfeld 25 Zentimeter unterhalb des Ellenbogens, Spülbereich höher. Die meisten Käufer entscheiden sich aus Optikgründen für eine durchgehende Höhe, was funktional ein Kompromiss ist, aber praktisch leichter zu bauen.
Beschlag-Hersteller: Blum, Hettich, Salice und Generika
Blum aus Österreich gilt als die Premium-Marke unter den Beschlag-Herstellern, mit den Movento- und Tandembox-Schubkastenführungen, die in höchsten Küchenpreisklassen verbaut werden. Die Front-Justierung ist mechanisch präziser als bei Konkurrenten, die Belastbarkeit liegt bei 60 bis 70 Kilogramm pro Auszug.
Hettich aus Deutschland ist die etablierte Alternative mit Actro-5D-Auszügen und werkzeugloser Höhenjustierung. Die Qualität ist auf Augenhöhe mit Blum, der Preis 10 bis 20 Prozent darunter. Im Premium-Segment werden beide Marken parallel verbaut, ohne dass die Kunden den Unterschied erkennen.
Salice (Italien), Grass (Österreich) und Häfele (Deutschland) sind die Mittelklasse-Hersteller, die in Schränken zwischen 200 und 500 Euro häufig verbaut werden. Generika ohne Markenkennzeichnung im 100-Euro-Bereich sind das Symptom günstigster Verarbeitung. Sie funktionieren anfangs, lassen sich aber nicht justieren und nach drei Jahren auch nicht mehr austauschen.
Vormontage versus Selbstaufbau
Im 100-bis-300-Euro-Bereich kommen Unterschränke fast ausschließlich zerlegt, also Korpus, Türen und Beschläge in Einzelteilen, mit zwei bis drei Stunden Aufbauzeit pro Schrank. Ab 400 bis 500 Euro gibt es zunehmend vormontierte Modelle, bei denen der Korpus bereits zusammengebaut ist und nur noch Front und Beschläge montiert werden müssen.
Vormontierte Schränke sparen 60 bis 70 Prozent der Aufbauzeit, kosten aber etwa 30 bis 50 Euro Aufpreis. Bei einer 5-Schränke-Küche rechnet sich das schnell, vor allem wenn Sie keinen Aufbau-Service nutzen wollen. Premium-Hersteller wie Nobilia liefern oft komplett vormontierte Korpus-Sets, was Aufbauzeit und Frust deutlich reduziert.