Falsche Bauform für den Verwendungszweck gewählt
Ein Käufer bestellt ein 90 Zentimeter hohes Sideboard als TV-Möbel, weil das Modell ihm optisch gefällt. Der 65-Zoll-Fernseher landet damit in 1,30 Meter Höhe statt der ergonomisch sinnvollen 1,10 Meter Augenhöhe vom Sofa aus. Nach drei Wochen meldet die Halswirbelsäule, dass der Blick zu hoch geht, der TV wird wieder abgehängt und auf einen Lowboard umgesetzt, das Sideboard wird umgewidmet.
Besser: Klären Sie vor dem Kauf den Hauptverwendungszweck. Lowboard (unter 60 Zentimeter) für TV-Stellfläche, Sideboard (78 bis 90 Zentimeter) für Esszimmer und allgemeinen Stauraum, Highboard (über 110 Zentimeter) für Vitrinen und Hochregale. Sehen Sie sich ggf. die Lowboards-Kategorie an, falls Sie ein TV-Möbel suchen.
MDF-Sideboard für lange Nutzungsdauer gekauft
Ein junges Paar kauft ein 250-Euro-Sideboard aus Folien-beschichteter Spanplatte und plant zwanzig Jahre Nutzung. Nach sieben Jahren beginnen die Kanten an den Schubladen abzuplatzen, die Folie an der oberen Kante des Korpus löst sich, die Türen schließen schief. Das Möbel wirkt abgewohnt, die Reparatur lohnt sich nicht, der Tausch kostet wieder 250 Euro.
Besser: Klären Sie vor dem Kauf die geplante Nutzungsdauer. Bis zehn Jahre sind MDF und Spanplatte mit Folienbeschichtung okay, ab fünfzehn Jahren sollten Sie laut Schreinerei-Vergleich zu Massivholz greifen, weil die Mehrkosten sich über die Lebensdauer aufheben.
Schadstoff-Belastung ignoriert
Ein Käufer mit Asthma-Erkrankung bestellt ein günstiges Online-Sideboard ohne Schadstoff-Zertifikat. Nach der Lieferung riecht das Möbel deutlich nach Klebstoff, die Asthma-Symptome verschärfen sich, vier Wochen Lüften bringen nur teilweise Besserung. Eine Reklamation ist nach Stiftung-Warentest-Empfehlung nur dann durchsetzbar, wenn der Geruch nach vier Wochen noch da ist und schriftlich beim Kauf vereinbart wurde.
Besser: Bei Allergikern oder Kleinkindern auf den Blauen Engel oder das Goldene M achten, das ist ein freiwilliges Zertifikat der Möbelindustrie für emissionsarme Möbel. Im Zweifel bei der Bestellung schriftlich Schadstoff-Freiheit nach vier Wochen vereinbaren, wie Stiftung Warentest empfiehlt.
Falsche Maße ohne Maßband bestellt
Ein Käufer bestellt ein 200-Zentimeter-Sideboard und stellt nach Lieferung fest, dass der Treppenhaus-Treppenabsatz nur 95 Zentimeter Wendekreis hat. Das Möbel passt nicht in die Wohnung, der Rücktransport per Spedition kostet 80 bis 150 Euro, eine Spedition mit Sondergröße im Treppenhaus 200 bis 300 Euro Aufpreis.
Besser: Vor der Bestellung den gesamten Liefer-Weg vom Hauseingang bis zum Aufstellungsort messen. Türrahmen, Treppenhaus-Wendekreis, Kurven im Flur. Faustregel: Ein 200-Zentimeter-Sideboard braucht mindestens 220 Zentimeter Wendekreis im Treppenhaus.
Soft-Close-Beschläge unterschätzt
Ein Käufer wählt das günstigere Modell ohne Soft-Close, weil 50 Euro Aufpreis ihm zu viel sind. Nach drei Jahren beginnen die Türen zu hängen, weil das harte Zuschlagen die Scharniere ausgeleiert hat. Der Tausch der Scharniere kostet 30 Euro Material plus zwei Stunden Bastelarbeit, gegen einen Soft-Close-Mechanismus zu tauschen ist meist nicht möglich, weil die Schraublöcher anders liegen.
Besser: Bei der Bestellung darauf achten, dass Soft-Close-Scharniere zur Grundausstattung gehören. Im 500-Euro-Segment ist das heute Standard, im 300-Euro-Segment fehlt es manchmal. Der Mehrpreis von 30 bis 60 Euro lohnt sich über die Jahre.
Furnier mit Schleifpapier "repariert"
Ein Kratzer im Echtholz-Furnier wird mit Schleifpapier behandelt, mit dem Ziel die Stelle wieder eben zu bekommen. Das Furnier ist allerdings nur 0,5 Millimeter dick, nach drei Schleifbewegungen ist die Trägerplatte sichtbar. Der Schaden ist jetzt deutlich größer als vorher, eine professionelle Restaurierung kostet 80 bis 150 Euro.
Besser: Furnier nicht selbst schleifen. Bei kleinen Kratzern hilft ein Holz-Reparatur-Wachsstift in der Maserungsfarbe, die Verbraucherzentrale-Beratung zu Möbel-Reklamationen empfiehlt bei größeren Schäden den Hersteller-Service. Bei Massivholz-Modellen ist das Schleifen unproblematisch.
Zu spät auf Aufstellservice geachtet
Ein Käufer bestellt ein 90-Kilogramm-Sideboard und wartet auf die Lieferung, ohne den Aufstellservice gebucht zu haben. Die Spedition liefert bis zur Bordsteinkante, der Käufer steht dann ohne Hilfe vor einem 200-Zentimeter-Karton. Der Eigenversuch endet im Bandscheibenvorfall, der Aufstellservice nachträglich kostet 80 bis 120 Euro plus Wartezeit.
Besser: Bei Sideboards über 60 Kilogramm Gewicht den Aufstellservice direkt mit der Bestellung buchen. Die Mehrkosten von 50 bis 100 Euro sind die Rückenversicherung wert, beim Selbstaufbau immer eine zweite Person zur Verfügung haben.