Modulauswahl und Erweiterbarkeit (25%)
Das wichtigste Kriterium beim Schranksystem ist nicht die Optik, sondern die Frage, ob Sie es später erweitern können. Klassische Vollsysteme wie Wimex Münster bieten Anstellelemente, mit denen sich die Front nachträglich um 50 oder 100 Zentimeter verlängern lässt. Bei Solitärschränken ohne Erweiterung sind Sie auf den Auslieferungszustand festgelegt, was ein Umzug oder ein Familienzuwachs später teuer machen kann. Modulare Systeme nach Schweizer Manufaktur-Vorbild punkten mit Lochrasterböden, die Sie in Drei-Zentimeter-Schritten verstellen. Im Fachhandel besonders verbreitet sind Plug-and-Screw-Korpusse, die sich auch im Nachhinein um Türen oder Schubladen erweitern lassen.
Wenn die Modulwahl steht, geht es um die Frage, woraus die Bauteile gemacht sind. Material entscheidet über Lebensdauer und Tragfähigkeit gleichermaßen.
Material und Plattenstärke (20%)
Im Massenmarkt unter 1000 Euro bestehen die Korpusse zu über 90 Prozent aus beschichteter Spanplatte oder MDF. Fachpublikationen empfehlen eine Stärke von 19 Millimetern als Mindestmaß für tragende Böden. Schränke mit 16-Millimeter-Spanplatte sparen Material, hängen aber bei Belastung über zehn Kilogramm pro Boden langfristig durch. MDF ist gegenüber Spanplatte stabiler und biegefester, aber 30 bis 40 Prozent teurer im Endpreis. Bei Stahl-Werkstattsystemen wie der HTI-Living Werkstattwand sind die Korpusse zwar dünner (rund 0,8 Millimeter Blechstärke), durch die Faltkonstruktion aber sehr biegesteif. Massivholz-Schranksysteme finden Sie unter 1000 Euro nur als Kiefer-Standardware; Hartholz wie Eiche beginnt deutlich darüber.
Mit der Materialfrage geklärt rückt das Thema Türen in den Vordergrund. Die Türart entscheidet über Platzbedarf, Geräuschpegel und Erweiterbarkeit.
Türart: Dreh-, Schiebe- oder Schwebetür (15%)
Drehtüren brauchen Anschlagfläche vor dem Schrank. Pro Türflügel rechnen Sie mit der Türbreite (40 bis 60 Zentimeter) als Schwenkraum. In schmalen Schlafzimmern oder vor Betten ist das oft zu eng. Schiebetüren sparen diesen Platz, weil die Tür seitlich am Korpus entlang gleitet, blockieren aber immer eine Hälfte der Schrankfront. Schwebetüren laufen auf Rollen und gleiten leiser als klassische Schiebetüren, kosten aber rund 20 bis 30 Prozent mehr. Ein Vergleich des Fachhandels bestätigt: Drehtürenschränke haben bei gleichem Innenraum eine geringere Gesamttiefe, weil die Tür außen nicht überlappen muss.
Neben den Türen entscheidet die Inneneinteilung über den Alltagsnutzen. Hier zeigt sich, ob ein Schrank wirklich für den Bedarf gebaut ist.
Inneneinteilung und Zubehör (15%)
Mindestmaße sind eine Fachhöhe von 120 Zentimetern für Hemden und Kleider sowie 45 Zentimeter Tiefe für Pullover-Stapel. Schubladen mit Vollauszug und gedämpftem Selbsteinzug sind in der Klasse bis 600 Euro selten, ab 600 Euro werden sie üblich. Hosenauszüge, Schuhböden mit zwei Tiefen oder Spiegel auf der Türinnenseite finden sich nur bei spezialisierten Systemen. Wer einen Solitärschrank kauft, sollte vor dem Kauf eine Liste der Innenausstattung prüfen, weil Nachrüstung bei einigen Herstellern nicht möglich ist. Modulsysteme erlauben das Tauschen einzelner Innenelemente und sind hier flexibler.
Auch die solideste Konstruktion nutzt nichts, wenn der Schrank im Alltag wackelt. Stabilität ist der nächste Prüfpunkt.
Stabilität und Standfestigkeit (15%)
Entscheidend für die Standfestigkeit ist die Rückwand: Eine harte 4- bis 6-Millimeter-HDF-Platte verschraubt mit dem Korpus stabilisiert die Konstruktion gegen Kippen. Dünne Pappkartonage als Rückwand reicht nur bei kleinen Modulen. Schwere Schränke ab 200 Zentimetern Höhe sollten Sie zwingend mit einer Wandsicherung gegen Kippen befestigen, vor allem in Haushalten mit Kindern. Hochwertige Systeme liefern dafür ein passendes Wandanker-Set mit. Bei reinen Modulkommoden bis 90 Zentimetern Höhe ist die Kippsicherung aufgrund des niedrigen Schwerpunkts weniger kritisch.
Die letzte Hürde im Kaufprozess ist der Aufbau. Wer hier den Aufwand unterschätzt, verliert ein ganzes Wochenende.
Montagekomplexität (10%)
Ein geschlossener 130-Zentimeter-Drehtürenschrank besteht aus 60 bis 100 Einzelteilen und braucht für zwei geübte Personen rund drei bis fünf Stunden Aufbauzeit. Werkstattwand-Systeme aus Stahl wie HTI-Living Havel sind durch vorgefertigte Module schneller, dafür schwerer im Transport. Stecksysteme aus Metallrahmen mit Kunststoffverbindern lassen sich in unter einer Stunde aufbauen, sind aber weniger stabil. Wer alleine montiert, sollte mindestens das Doppelte einplanen und eine zweite Person für den Aufrichteschritt einplanen, weil das Korpus-Aufrichten nach dem Schraub-Schritt sonst gefährlich wird. Eine klare Anleitung mit dem Plug-and-Screw-Prinzip reduziert den Aufwand bei offenen Systemen deutlich.