Material und Feuchtraumtauglichkeit
Im Bad liegt die relative Luftfeuchte nach jeder Dusche kurzfristig bei 80 bis 95 Prozent, und genau dort beginnen die Materialunterschiede zu wirken. Reine MDF-Platten sind hygroskopisch und quellen bei wiederholtem Feuchtigkeitskontakt sichtbar auf. Hersteller behandeln MDF im Bad-Bereich daher mit Paraffin-Wachs als Quellbremse, was die Schwellverhalten der Platte verbessert. Ohne diese Behandlung sind Kanten innerhalb von zwei bis drei Jahren angegriffen. Aluminium-Korpus arbeitet anders. Das Material ist von Natur aus feuchteresistent, schwellt nicht und korrodiert nur bei direktem Kontakt mit aggressiven Chlor- oder Säurereinigern. In unserer Auswertung tauchte Aluminium erst ab dem Segment bis 200 Euro auf, etwa beim EMKE-Modell mit 169,99 Euro. Kunststoff-Hochglanz wie beim Jokey Lymo aus dem Einstiegssegment ist ebenfalls feuchteresistent, neigt aber an Scharnieren zu Spannungsrissen, wenn die Türen häufig hart aufschlagen.
Material entscheidet also über die Lebensdauer im Feuchtraum. Was nützt das beste Material aber, wenn die Beleuchtung beim Schminken blendet oder schummrig bleibt?
LED-Beleuchtung und IP44-Schutzart
Spiegelschränke mit integrierter LED müssen die Schutzart IP44 erfüllen, weil sie in der direkten Spritzwasserzone am Waschbecken hängen. IP44 bedeutet Schutz gegen Spritzwasser aus allen Richtungen und ist die Untergrenze für jede Bad-Beleuchtung. In unserer Auswertung erfüllen alle LED-Modelle ab 100 Euro diese Schutzart, im Einstiegssegment bis 50 Euro fehlt LED-Beleuchtung in der Regel komplett. Die Lichtfarbe wirkt zusätzlich. Neutralweiß zwischen 4000 und 5000 Kelvin entspricht dem Tageslicht und eignet sich für das Schminken, weil die Hautfarbe dort am natürlichsten erscheint. Warmweiß unter 3000 Kelvin schmeichelt der Stimmung, verfälscht aber die Hautwiedergabe beim Make-up. Modelle wie der EMKE im Segment bis 200 Euro bieten bereits drei umschaltbare Lichtfarben mit Dimm-Funktion und liegen damit deutlich vor dem Standard der Klasse.
LED-Norm und Lichtfarbe sind nur die halbe Geschichte. Was nützt das beste Licht, wenn der Stauraum nicht zu Ihrem Waschbecken passt?
Stauraum und Innenausstattung
Die wichtigste Frage hier ist nicht „wie viele Türen", sondern „wie viele verstellbare Glasböden". Drei-Türer wie der Jokey Lymo bieten in der Regel drei Glasböden, die in 5-cm-Rastern verstellt werden können, was für Cremes, Zahnpasta und Kontaktlinsen-Behälter ausreicht. Größere Schränke ab 100 cm Breite bieten oft bis zu sechs Böden plus eine integrierte Steckdose, wie beim Schildmeyer Katta für 114 Euro. Diese Steckdose ist unauffällig, ändert aber den Bad-Alltag spürbar: Föhn und elektrische Zahnbürste werden hinter der Schranktür geladen, statt offen am Waschbecken-Rand zu liegen. Innenliegende Spiegel an den Schranktüren sind ab dem Segment bis 200 Euro Standard und verdoppeln die Spiegelfläche, was beim Augen-Make-up den Unterschied macht.
Stauraum hängt direkt mit der Außenmaße zusammen. Die Wahl zwischen Aufputz und Einbau entscheidet darüber, wie viel Stauraum überhaupt möglich ist.
Aufputz, Unterputz und Einbau
Diese Entscheidung wird oft unterschätzt und ist im Bad einer der wichtigsten Kostentreiber. Aufputz-Modelle werden direkt auf die Wand geschraubt, sind in unter 30 Minuten montiert und tolerant gegenüber unebenen Wänden. Alle Modelle in unserer Auswertung sind Aufputz-Schränke. Unterputz-Modelle werden in eine Wandnische eingelassen, ergeben eine flächenbündige Optik und gewinnen Platz vor dem Waschbecken zurück. Der bauliche Aufwand ist deutlich größer, weil eine Trockenbauwand vorbereitet oder eine Massiv-Wand ausgehöhlt werden muss. Mieter sind bei dieser Variante außen vor, weil die Veränderung der Bausubstanz zustimmungspflichtig ist. Wer also in einer Mietwohnung wohnt, sollte auf Aufputz setzen und die zusätzliche Tiefe von 14 bis 20 cm im Raumkonzept einplanen.
Mit Material, LED und Montage-Form sind die großen Linien gesetzt. Bleibt die Frage der richtigen Maße.
Breite, Höhe und Tiefe
Die Breite sollte sich am Waschtisch orientieren. Der BadeDu-Größenleitfaden empfiehlt Schränke ab 60 bis 80 cm Breite für Standardwaschbecken, 100 bis 140 cm für Doppel- oder breite Waschbecken und 30 bis 50 cm für Gäste-WCs. Das Optifit-Modell mit 109 cm Breite aus dem Segment bis 500 Euro deckt den Doppelwaschbecken-Bereich ab. Die Höhe liegt typischerweise zwischen 60 und 100 cm. Wichtig dabei ist die Montage-Höhe: Die Unterkante sollte 115 bis 125 cm vom Boden entfernt sein, die Oberkante etwa 200 cm, damit Erwachsene zwischen 1,60 und 1,90 cm Größe komfortabel reinschauen. Die Tiefe ist oft unterschätzt. Übliche Werte liegen zwischen 12 und 20 cm, wobei mehr als 17 cm in schmalen Bädern als beengend empfunden wird, weniger als 13 cm den Stauraum stark einschränkt.
Maße entscheiden über die Wirkung im Raum. Daneben bestimmen die Verarbeitungsdetails, wie lange Sie an Ihrem Spiegelschrank Freude haben.
Verarbeitung und Türdämpfung
Türdämpfung klingt nach Detail, ist aber nach drei Jahren Bad-Nutzung der Unterschied zwischen einem Schrank, der wie neu aussieht, und einem mit ausgeschlagenen Scharnieren. Soft-Close-Dämpfer fangen die Tür im letzten Drittel des Schließvorgangs ab und verhindern das harte Aufschlagen, das bei billigen Schränken Spannungsrisse am Korpus erzeugt. In unserer Auswertung bietet erst der Welltime Chicago im Segment bis 500 Euro durchgehende Türdämpfung. Schildmeyer-Modelle in der Mittelklasse haben Soft-Close meist nur an den Hauptscharnieren, bei den seitlichen Türen fehlt die Funktion. Dazu kommen Details wie umlaufende Korpus-Kanten in ABS statt Klebeband-Folie, die nach drei Jahren noch fest sitzen, und Glasböden mit poliertem Rand, die sich nicht in den Fingern festfressen. Diese Details werden im Datenblatt selten genannt, machen aber bei der Lieferung den Eindruck von Wertigkeit aus.