Preis-Leistungs-Verhältnis: Was zwischen 27 und 181 Euro tatsächlich anders wird
Die 55 geprüften Modelle teilen sich in drei klare Preisstufen. Unter 50 Euro bekommen Sie meist eine MDF- oder Bambus-Box mit Magnettür und einem verstellbaren Boden. Zwischen 50 und 100 Euro kommen verstärkte Korpus-Wände, Spiegelfronten und höhere Tragkraft pro Boden dazu. Ab 100 Euro werden Soft-Close-Scharniere, Hochglanzfronten und Glaseinsätze zum Standard. Der Aufpreis ist nur dann gerechtfertigt, wenn Sie diese Features auch nutzen. Ein Soft-Close-Scharnier kostet im Einkauf zwischen 4 und 8 Euro pro Tür, also gut 16 Euro Aufschlag bei zwei Türen. Wer das Bad mehrmals täglich öffnet und schließt, hat den Aufpreis nach zwei Jahren über die Geräuschvermeidung amortisiert. Wer den Schrank im Gästebad einmal pro Woche nutzt, zahlt für ein Feature, das er kaum bemerkt.
Der Preis sagt also wenig über den tatsächlichen Nutzen aus, wenn die Verarbeitung nicht stimmt. Genau dort trennt sich im Bad die Spreu vom Weizen, weil schlechte Kantenversiegelung schon nach Wochen sichtbar wird.
Verarbeitung: An den Kanten erkennen Sie nach drei Monaten, was der Schrank taugt
Im Bad ist die schwächste Stelle einer MDF- oder Spanplatte immer die Schmalseite. Werksseitig verleimte Kanten halten zwei bis drei Jahre, schlecht angedrückte ABS-Kanten lösen sich oft schon nach einem Winter. Prüfen Sie beim Auspacken, ob die Kantenfolie überall fest sitzt und keine Lücke an den Ecken hat. Bei Hochglanzfronten zeigt sich Verarbeitungsqualität daran, ob die Folie auf der Front bündig oder mit sichtbarem Übergang aufliegt. Vollmetallgriffe sitzen mit Innengewinde und Schraube fest, während Kunststoffgriffe mit Plastik-Stehbolzen nach 200 bis 300 Öffnungen seitlich nachgeben. Bei Bambusoberflächen entscheidet die Versiegelung, meist ein klarer Acryllack oder ein Wachs. Unbehandelter Bambus saugt Wasser ein und zeigt nach Wochen graue Flecken an Stellen, wo Tropfen einziehen.
Eine saubere Verarbeitung allein nutzt aber nichts, wenn der Schrank die alltägliche Last nicht hält. Was die Hersteller als Tragkraft angeben, weicht in der Praxis stark voneinander ab.
Tragfähigkeit: Warum 5 Kilogramm pro Boden für den Alltag oft zu wenig sind
Eine handelsübliche 500-ml-Shampooflasche wiegt voll rund 600 Gramm. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern stapelt schnell vier bis sechs solche Flaschen plus Cremes und Pflegeprodukte auf einem Boden. Damit sind Sie bei drei bis vier Kilo pro Fach. Modelle mit nur 5 Kilogramm Traglast pro Boden arbeiten dann am Limit, vor allem wenn die Aufstellung ungleich verteilt ist. Beispiele aus dem Test zeigen die Spannweite: Der Bambus-Testsieger des unteren Segments hält 10 Kilogramm pro Boden, das Premiummodell mit Soft-Close trägt deutlich mehr. Wichtiger als die Maximalangabe ist die Frage, wie der Boden befestigt ist. Eingelegte Böden auf vier Plastik-Steckbolzen sacken bei dauerhafter Vollast durch. Verschraubte oder eingenutete Böden halten linear, was angegeben ist. Wer im Bad schwere Glasflaschen oder Diffuser stehen hat, sollte mindestens 8 Kilogramm pro Ebene einplanen.
Selbst der stabilste Schrank hilft nichts, wenn er nicht sicher an der Wand sitzt. Die Wandmontage ist im Bad der heimliche Hauptfaktor für Lebensdauer und Sicherheit.
Wandmontage: Welche Dübel Sie für Mauerwerk, Beton oder Trockenbau brauchen
Der mitgelieferte Universaldübel funktioniert in den seltensten Fällen für Ihre Wand. In Vollbeton hält ein klassischer Schlagdübel laut Rigips-Lastenbefestigung nach DIN 18183-1 zwischen 100 und 200 Kilogramm pro Stück, in Kalksandstein deutlich weniger, in einer Trockenbauwand mit Standard-Dübel oft nur 15 Kilogramm. Für Trockenbau brauchen Sie Hohlraumdübel oder Metallklappdübel, andere Lastenklassen sind nach DIN 18183-1 normiert. Putz von 10 bis 20 Millimeter müssen Sie zur Dübellänge addieren, sonst sitzt der Dübel nur im Putz und reißt unter Last aus. Klopfen Sie vor dem Bohren mit dem Knöchel an die Wand. Klingt es hohl, ist Trockenbau dahinter. Klingt es satt, ist Mauerwerk. Im Zweifel hilft ein 5-Euro-Wandscanner aus dem Baumarkt, der Holz, Metall und Stromleitungen anzeigt. Rechnen Sie mit 60 bis 90 Minuten Aufbauzeit zu zweit.
Sitzt der Schrank sicher, übernimmt das Material die nächste Hürde: das feuchte Klima im Bad, das jeder Möbeloberfläche dauerhaft zusetzt.
Materialbeständigkeit: Wie Sie das passende Material zur Bad-Belüftung wählen
Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Luftfeuchte unter 60 Prozent im Wohnbereich, im Bad sind 50 bis 70 Prozent direkt nach dem Duschen normal. Über 80 Prozent steigt die Schimmelgefahr direkt an der Wand. Genau hier hängt Ihr Schrank. MDF mit wasserabweisender Beschichtung kommt mit gut belüfteten Bädern klar, in fensterlosen Duschbädern ohne aktive Lüftung quellen die Kanten innerhalb des ersten Jahres auf. Bambus mit geschlossener Versiegelung ist bei kurzen Spitzen unempfindlich, braucht aber regelmäßiges Trockenwischen. Massivholz dehnt sich bei Feuchtigkeit aus und arbeitet, was bei korrekter Versiegelung mit Hartwachsöl beherrschbar ist. Hochglanz-Folienoberflächen sind die unempfindlichsten gegen Wassertropfen, zeigen aber jeden Fingerabdruck. Wenn Sie kein Fenster im Bad haben, ist eine aktive Lüftungsanlage oder dezentrale Abluft wichtiger als das Schrankmaterial selbst.
Hat das Material die Feuchtigkeit überstanden, entscheidet die Innenaufteilung darüber, ob der Schrank auch tatsächlich nützt. Tiefe und Höhe der Fächer stimmen oft nicht mit dem überein, was Sie hineinstellen wollen.
Raumnutzung: Warum 15 Zentimeter Tiefe für Bademöbel selten reichen
Eine Standard-Shampooflasche ist je nach Marke 7 bis 10 Zentimeter tief, eine 200-Milliliter-Cremedose oft 8 Zentimeter im Durchmesser. Bei einer Innentiefe von 13 Zentimetern bleiben effektiv nur 3 bis 5 Zentimeter Spielraum, was beim Hineinstellen jedes Mal Geduld fordert. 20 Zentimeter Tiefe reichen für die meisten Standardartikel, ab 25 Zentimeter passen auch große Pumpspender und Diffuser ohne Klemmen. Verstellbare Einlegeböden auf vier oder fünf Höhenpositionen verdoppeln den nutzbaren Raum gegenüber einem festen Boden, weil Sie die Höhe an Ihre höchsten Flaschen anpassen können. Achten Sie darauf, dass die Bodenträger entweder als Bohrlöcher in der Seitenwand oder als verschraubbare Lochleisten verbaut sind. Gummi-Steckpins ohne Bohrungen rutschen unter Vibration heraus.
Steht alles passend im Schrank, entscheidet die Türmechanik über den Komfort im täglichen Gebrauch. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen einem 30-Euro- und einem 150-Euro-Schrank besonders deutlich.
Türmechanik: Soft-Close, Magnetverschluss oder einfaches Scharnier?
Im günstigen Segment dominieren Magnetverschlüsse mit einfachen Scharnieren. Sie schließen schnell und mit hörbarem Knall, was im Familienbad morgens um sechs Uhr ein klares Argument gegen das Gästezimmer nebenan ist. Ab 80 Euro tauchen Soft-Close-Topfscharniere von Marken wie Hettich oder Blum auf, die die letzten zwei Zentimeter durch eine Öldämpfung abbremsen. Der Komfortgewinn ist groß, der Aufpreis liegt bei 4 bis 8 Euro pro Türscharnier. Wer Kinder hat, profitiert doppelt, weil die Tür nicht auf die Finger fallen kann. Vollglastüren mit Aluminiumrahmen finden sich erst ab 130 Euro und bringen optisch viel, sind aber bei Stoßempfindlichkeit nicht ideal in einem engen Bad. Prüfen Sie zusätzlich, ob der Türanschlag werkseitig links oder rechts ist und ob er nachträglich gewechselt werden kann. Bei Modellen mit symmetrischem Korpus geht das in 15 Minuten, bei aufgeleimten Topfscharnieren gar nicht.
Diese sieben Kriterien zeigen den Rahmen, innerhalb dessen sich jedes Modell bewegt. In den Segment-Kapiteln werden die einzelnen Modelle daran konkret gemessen.